Weihnachten 1996: Rot gefrorene Hände, Fackeln illuminieren die Gesichter von dreitausend entschlossenen BesucherInnen beim grimmigen Open Air-Gottesdienst. Dann spricht Pfarrer Jürgen Widera. "Herr, Du bist heute zu denen gekommen, die am Rande der Gesellschaft stehen, zu denen, denen man die Arbeit nehmen will." Das geschah in Kamp-Lintfort bei den Auseinandersetzungen zum Kohlekompromiss. Wochenlang hatte der KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt) gemeinsam mit der Gewerkschaft Mahnwachen organisiert, um gegen die Subventionskürzungen zu protestieren.
"Eröffnen Sie kein Konto bei der Citibank!" hieß es 1999. Die Citibank hatte MitarbeiterInnen im Call-Center Duisburg entlassen. Grund: Sie hatten für einen Haustarifvertrag gestreikt. Die Kirchen schalteten sich über den KDA und die KAB (Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung) ein. Sie, ehemalige Beschäftige, die Gewerkschaft HBV, Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, der DGB, Parteien-Vertreter von CDU bis PDS, und weitere gründeten ein Netzwerk zum gemeinsamen Kampf. Die Bank reagierte heftig und verklagte den Sprecher des Netzes, den KDA-Pfarrer Hans-Peter Lauer.
Nicht immer sind die Aktionen des KDA so spektakulär. Aber es zeigt sich: Die Kirchen haben Grundsätzliches zum Thema Arbeit zu sagen. Und sie tun es. Denn so verstehen sich die MitarbeiterInnen des KDA: Sich einsetzen für die Interessen der Bergleute, StahlarbeiterInnen, der Beschäftigten und ihrer Familien, ihre Existenznöte verstehen, Entlassungen verhindern, die Gemeindeglieder verteidigen, eingreifen. Im KDA werden die Bewegungen von unten gebündelt. Nicht zuletzt auch durch Veranstaltungen (bitte schauen Sie weiter unten) und die regelmäßigen politschen Nachtgebete.
Entstanden sind über die Jahre tief gehende Beziehungen zu den Gewerkschaften IG Metall, IGBCE und ÖTV, Betriebsräten und Werksleitern, Personaldirektoren sowie Konzernführungen wie von Thyssen, auch wenn dieses Verhältnis naturgemäß nicht immer das Beste ist.
Die MitarbeiterInnen des KDA sind zu Vertrauenspersonen geworden. Mittlerweile informieren Betriebsräte über Planungen der Konzernleitung oder auch Werksleiter. Bei den Gesprächskreisen sitzen oft Gemeindevertreter, BetriebsrätInnen, Werksleiter und VertreterInnen der evangelischen und katholischen Kirchen gemeinsam am Tisch, wenn Entscheidungen getroffen werden.
KDA
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