
Jugendliche nach der Schule auf der Straße statt in gemeinsamen Räumen Hausaufgaben zu machen, Freizeit zu planen, handwerkliches Geschick beim Drachenbau zu gewinnen oder in Freizeiten den Umgang miteinander zu erlernen - diese Gefahr steht in Nordrhein-Westfalen bevor, wenn die Landesregierung die Mittel in dem Umfang kürzt, die jetzt beschlossen sind. Dagegen wendet sich die Volksinitiative, die auch vom Jugendreferat Kirchenkreis Moers unterstützt wird.
Jugendliche ohne Betreuung
Die Landespläne sehen vor, dass bis 2005 die bisherigen Fördermittel im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit 60 Prozent verringert werden. 1000 pädagogische Fachkräfte müssten entlassen werden, etwa 1000 Einrichtungen geschlossen. Die Arbeitsgemeinschaft Haus der Offenen Türen (AGOT NRW) benennt die "Zwangsläufige Folge: 100.000 Kinder und Jugendliche stünden auf der Straße ohne Betreuung, Förderung und verlässliche Bezugspersonen."
Drastische Folgen auch für Kirchenkreis
"Die vorgesehenen insgesamt 60 Prozent Reduzierung der Förderung Offener Jugendarbeit durch das Land bedeutet für unsere Einrichtungen - es sind insgesamt sechs mit sieben MitarbeiterInnen - einen aus Eigenmitteln nicht kompensierbaren Einschnitt!" erläutert Lutz Zemke, Leiter des Jugendreferates Kirchenkreis Moers, die Folgen für die Jugendarbeit im Kirchenkreis Moers.
Kürzungen gibt es auch im Bereich Bildungsmaßnahmen für ehrenamtliche Jugendarbeiter sowie Kinder- und Jugenderholungen. Das heißt, "dass unsere Bildungsmaßnahmen reduziert werden müssen und dass unsere Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen aller Voraussicht nach keine Landesförderung mehr erhalten, was eine Verteuerung der Maßnahme im Schnitt um ca. 20 Euro bedeutet," führt Zemke aus. Jedes mitfahrende Kind, jeder mitfahrende Jugendliche müsste dann für eine Freizeit 20 Euro zusätzlich bezahlen. Klingt wenig ist aber für finanzschwache Familien eine starke Belastung, insbesondere, wenn sie mehrere Kinder haben.
Einen Riegel vorschieben
"Wie immer wird an den so genannten ‚freiwilligen Leistungen' gekürzt!" resümiert Zemke. "Die Volksinitiative will dem einen Riegel vorschieben, indem die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit gesetzlich fest geschrieben, zur Pflichtleistung, wird." Denn es ist vorgesehen, dass diese gesellschaftliche Aufgaben nicht nur vom Staat übernommen werden, sondern vornehmlich auch von Vereinen, Verbänden, freien Träger und Kirchen, so AGOT. Die Träger können jedoch vielfach die fehlenden Mittel nicht ausgleichen. Den Kirchen, die sich in der Jugendarbeit stark engagieren z. B. sind die Kirchensteuermittel weggebrochen.
Wie die Kommunen mit den Landeskürzungen umgehen, ist unterschiedlich. Um es in absoluten Zahlen auszudrücken: Während in Kamp-Lintfort die Förderung zurzeit 53 000 Euro beträgt, wird sie - bleibt es bei den Plänen - bis zum Jahr 2005 auf 20 000 Euro reduziert, in Moers sind es zurzeit 138 000 Euro, 2005 würden nach den geplanten Reduzierungen nur noch 54 000 Euro ausgezahlt.
Kurzsichtige Pläne
Die Landespläne erscheinen kurzsichtig, bilden sich Kids und Jugendliche doch nur zu einem Teil in der Schule, während sich insbesondere die sozialen Fähigkeiten maßgeblich außerhalb entwickeln. Soziale Fähigkeiten sind nicht nur die Bedingungen für friedliches, engagiertes und tolerantes Miteinander, sondern werden von Unternehmen als so genannte soft skills bei einer Einstellung berücksichtigt.
66 000 Unterschriften erforderlich
Bis zum 27. Januar 2004 können Wahlberechtigte mit ihren Unterschriften protestieren. Sind mehr als 66 000 Unterschriften zusammengekommen, muss sich der Landtag mit dem Thema erneut befassen. Unterschriftenlisten liegen in allen örtlichen Rathäusern und Bezirksverwaltungen aus.
Jugendreferat unterstützt Initiative
"Das Jugendreferat ist mit allen Kolleginnen und Kollegen im Gespräch und informiert über die Volksinitiative, wo und zu welchen Zeiten die Listen ausliegen und fordert auf, sich an dieser Aktion zu beteiligen" betont Zemke.
Bleistifte für Abgeordnete
Für eine weitere Aktion wirbt der Bundesvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ NRW): Die Landtagsabgeordneten sollen nachsitzen, die Haushaltssätze ausradieren und mit spitzer Feder nachrechnen. Um dabei behilflich zu sein, fordert der BDKJ NRW die BürgerInnen auf, der Landesregierung Bleistifte und Radiergummies zu schicken.
| Links:
| ||