
"Die Seele der Bergleute ist beschädigt. Aber das Kreuz steht." So der katholische Pfarrer Heinrich Bösing auf dem Pattberg. Das Kreuz ist hier nicht nur das Symbol für die Kirche, deren Angehörige mit den Kumpels solidarisch sind. Es steht auch für das Rückgrat der Bergleute, Gewerkschaftler, Kirchenleute, deren Kreuz keineswegs gebrochen ist und die gestern in einer Gemeinschaftsaktion ihre "Sorge um die Region" verknüpften mit Forderungen an PolitikerInnen und Verantwortliche in Großbetrieben.
"Wir klagen, dass eine intensive Bemühung um einen konzertierten Strukturwandel im Ruhrgebiet nie erkennbar wurde und Großbetriebe höchst eigennützige Arbeitsmarktpolitik betreiben konnten und es heute noch tun," sagte der Friemersheimer Pfarrer Dietmar Kelp in seiner Fürbitte in der Lintforter Christuskirche. "Die Sozialpflicht des Eigentums ist zu wahren" meinte auch Präses Kock in seiner Predigt. Der Kamp Lintforter Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt gab denen, die "über die Zukunft des deutschen Steinkohlebergbaus zu entscheiden haben" zu bedenken, dass es nicht allein um energie- und wirtschaftspolitischen Fragen gehe, sondern "in erster Linie um Menschen und ihre Familien und damit um ein Stück sozialen Friedens in unserem Land und in Europa." Noch einmal zehn Jahre der Unsicherheit und ohne Perspektive, die Angst vor Arbeitsplatz- und Existenzverlust im Rücken, würden die Bergleute nicht mehr aushalten. "Arbeit ist ein Menschenrecht" schloss er seine Fürbitte, begleitet von Beifall. Wie überhaupt geklatscht wurde, wie sonst nie in einer Kirche applaudiert wird.
Solidarität forderte auch Ali Sentürk stellvertretend für die Muslime: "Wir sind nicht mehr bloße Gäste, wir sind Nachbarn geworden. Wir sind auch längst keine Gastarbeiter mehr, wir sind Kollegen."
"Strukturwandel, nicht Strukturbruch" unterschied Theo Steegmann, ehemaliger Betriebsrat, wenn das Unvermeidliche kommen sollte. Ein gelungenes Beispiel sah er in Rheinhausen, wo 265 ha Industriebrache saniert seien und neue Arbeitsplätze enstünden, "die auch für die betroffenen Bergleute Möglichkeiten bieten."
An ein Beispiel gelebter Solidarität erinnerte Elke Schulte. 1995 hatten Frauen in der Christuskirche in einer spontanen Aktion Schutz gesucht. Daraus wurden sechs Wochen. "Jeden Tag wurden wir in der Kirche von vielen Menschen besucht, sie diskutierten mit uns und gaben uns Mut, weiter zu machen. Ich bitte Gott, uns weiterhin einen wachen Sinn für die Probleme unserer Mitmenschen zu geben. Er lenke unsere Fähigkeiten, so dass viele in gegenseitiger Ergänzung und Hilfe zusammenwirken zum Wohle aller".

Versammelt hatten sich die Kumpels schon um 18 Uhr in der Neukirchen und in Kamp Lintfort. In dieser Zeit gab es auch eine Andacht mit dem Knappenchor auf dem Pattberg. Um 18.30 Uhr trafen sich die drei Gruppen und der Motorradkonvoi, der Präses Kock vom Pattberg nach Kamp Lintfort begleitete am Platz der ehemaligen Mahnwache in Kamp Lintfort. Gemeinsam zogen alle in die Christuskirche, wo die RednerInnen die Positionen der solidarischen Region einforderten.
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