
Zweimal im Jahr treffen sich die Delegierten der Kreissynode des Kirchenkreises Moers, um als "Kirchenparlament" über die Geschicke ihres Kirchenkreises zu entscheiden. Die Synodalen sind Abgesandte der 29 Gemeinden des Kirchenkreises. In der Kreissynode sind Laien, also Nicht-Theologen in der Überzahl. Während auf der sog. Sommersynode vor allem zu inhaltlichen Schwerpunktfragen gearbeitet wird, stehen im Herbst schwerpunktmäßig der Bericht des Superintendenten, Haushaltsberatungen und Wahlen in die verschiedenen Ausschüsse auf der Tagesordnung. In diesem Jahr wird nicht nur über den Haushaltsplan für 2005 abgestimmt und gewählt, die Synode beschließt am Samstag auch über zwei Fusionen: die des Diakonischen Werks Kirchenkreis Moers mit der Diakonie Duisburg-West und die des Verwaltungsamtes Rheinhausen mit der Verwaltung des Kirchenkreises. In beiden Fällen sollen größere Einheiten entstehen, die für die Anforderungen der Zukunft noch besser gewappnet sind. Betriebsbedingte Kündigungen sind mit dieser Entscheidung, soweit absehbar, nicht verbunden.
Der erste Tag der Synode begann am Freitag um 17 Uhr mit einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche Rumeln-Kaldenhausen. Pfarrer Frank Mittreiter beschrieb in seiner Predigt die lebendige Nachfolge, in der evangelische Christinnen und Christen heute stehen. Ausgangstext war das Wort Jesu aus der Bergpredigt, Matthäus 5,13: "Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten." Mittreiter folgert daraus, dass "Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern heute eine lebendige Nachfolge zutraut, die gesellschaftliche Auswirkungen hat." Die Welt brauche Menschen, die sowohl Arbeitslose als auch Arbeitnehmer und deren Rechte nicht aus dem Blick verlieren und die sich für alte und schwache Mitmenschen einsetzen, die sonst kaum einen Anwalt mehr fänden. Die Kollekte des Gottesdienstes von fast 560 Euro war bestimmt für die Arbeit der "Tafeln" im Kirchenkreis, die mit Lebensmittelspenden, die von Ehrenamtlichen abgeholt und verteilt werden, Mitbürger unterstützen.
Nach der Konstituierung der Synode mit ihren 130 stimmberechtigten Mitgliedern, 21 Mitgliedern mit beratender Stimme und Gästen, folgte der Bericht des Superintendenten Ferdinand Isigkeit. Isigkeit, der seinen zweiten Superintendentenbericht vorstellte, betonte die lange Geschichte des Kirchenkreises Moers: Die erste Synode in der Grafschaft Moers fand vor fast 400 Jahren statt, am 26. September 1608. Er hob die Bedeutung der presbyterial-synodalen Ordnung hervor: "Neben dem Bekenntnis und der Schrifttreue ist die presbyterial-synodale Ordnung ein besonderes Kennzeichen reformierter Ordnung. Nach dieser Ordnung steht die Organisation von Kirche auf zwei Säulen, der Ortsgemeinde und dem Kirchenkreis... Die Ordnung stellt sicher, dass das Evangelium von Jesus Christus in rechter Weise verkündigt wird, die Sakramente ordentlich verwaltet werden und die christliche Nächstenliebe geübt wird." Kontinuität, gewachsene Identität und Vertrauen seien Merkmale des Kirchenkreises Moers. Sparen ist angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen ein großes Thema, aber keines, das nur als bedrohlich wahrgenommen werden muss. Denn der Superintendent hatte auch eine gute Neuigkeit: "Ich sage (...) gerne, dass wir für den zugesicherten Kirchensteuer-Pro-Kopf-Betrag von 68 € in 2004 statt der eingeplanten Entnahme aus der Finanzausgleichsrücklage von 1,4 Mio. € etwa nur die Hälfte brauchen werden. Das bedeutet, dass wir das für 2006 prognostizierte Ziel von 60 € pro Kopf erst ein oder zwei Jahre später erreichen müssen. Dadurch verlängert sich die Zeitschiene der Gemeinden, auf die sie ihre Sparmaßnahmen legen können." Für die anstehenden Diskussionen um Kernkompetenzen und Prioritäten rief Isigkeit ins Gedächtnis: "Ich gehe jedenfalls davon aus, dass alle Arbeitsbereiche einer Gemeinde deshalb aufgebaut wurden, weil sie für wichtig und richtig gehalten werden und eng mit dem Auftrag der Kirche verbunden sind." Das Gleiche gelte für die Arbeitsbereiche des Kirchenkreises. Sparen solle mit Blick auf die Zukunft erfolgen und schließe Investitionen in die Zukunft nicht aus: "Für mich ist der Qualitätsentwicklungsprozess (im Bereich Tageseinrichtungen für Kinder) auch ein Beispiel dafür, dass Kirche in Zeiten des Sparens und der Strukturveränderungen Gestaltungskraft besitzt dank engagierter Menschen, aber auch durch kluge Investition von Geld." Entsprechend könnte die Zukunftsfrage lauten: Wohin wächst die Kirche? Diese Perspektive kann sich eröffnen, wenn man "Realitäten annimmt, Chancen entdeckt und die geistliche Leidenschaft bewahrt." Der Kirchenkreis verschließt sich nicht vor der Welt, sondern bezieht Stellung und hält Kurs in aufregenden Zeiten - sei es bei Änderungen der Arbeits- und Sozialpolitik (Stichwort: Hartz IV) oder Unternehmensentscheidungen wie bei Siemens in Kamp-Lintfort.
Den Menschen, die Kirche gestalten, sich mit ihren Ideen und ihrer Liebe einbringen, dankte Isigkeit - erst durch das Engagement der Presbyter oder der Frauenhilfen, der ehrenamtlichen und hauptamtlich Mitarbeitenden sei Kirche möglich. Der Superintendent betonte die Wichtigkeit von Ökumene und Partnerschaften, die den Blick auf die Welt öffnen: "Gegenseitige Besuche geben geistliche Impulse und ermöglichen das Lernen voneinander."
Die im Vorfeld erstellten Berichte der einzelnen Referate, Arbeitsbereiche und Einrichtungen wurden im Anschluss in neun Gruppen besprochen.
Neben weiteren Regularien hat die Synode beschlossen, sich für die Einrichtung einer so genannten Schöpfungszeit stark zu machen, die im Kirchenkreis Moers erstmals im September diesen Jahres veranstaltet worden ist. Entsprechend ergeht an die Ev. Kirche im Rheinland die Bitte, ab 2005 eine landeskirchliche Schöpfungszeit einzurichten.
Ganz in der friedensethischen Tradition des Kirchenkreises Moers und des Engagements im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt stand der Synodenbeschluss zu einem Antrag des Ausschusses Konziliarer Prozess / Agenda 21. "Die Kreissynode Moers bittet die Landessynode der EKiR, die EKD aufzufordern, sich bei der Bundesregierung und den Organen der Europäischen Union dafür einzusetzen, dass im Prozess der Verabschiedung der Europäischen Verfassung, bei ihrer Umsetzung in die politische Praxis sowie bei einer eventuellen späteren Revision auf den Vorrang ziviler Kriegsprävention und Friedensgestaltung hingearbeitet und entschieden einer vorrangig militärisch orientierten Sicherheitspolitik widersprochen wird." Auch diesen Beschluss unterstützten die Synodalen mit großer Mehrheit.
Den Abschluss des ersten Tages bildete der Bericht des Neukirchener Pfarrers Manfred Mielke über die Projektreise des Ruanda-Chors zu den ruandischen Partnern im August diesen Jahres. Die Synode schloss den ersten Tag um 23 Uhr - zugegebenermaßen etwas müde, aber um viele neue Eindrücke und Impulse reicher.
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