Terror hat keine Religion
Muslime und Christen lassen sich nicht auseinanderbringen - gemeinsamer Gottesdienst in St. Barbara

"Terror hat keine Religion und Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein", sagte der Superintendent Dr. Jürgen Thiesbonenkamp im gemeinsamen Gottesdienst von Christen und Muslimen am 20 September in der St. Barbara-Kirche in Rheinhausen. Den muslimischen MitbürgerInnen versicherte er, "dass wir als Christinnen und Christen schützend an ihrer Seite stehen, wenn Menschen sie hier angreifen, den Islam beschimpfen und ihren Glauben diffamieren."

Traurigen Anlass fand der Gottesdienst in der zunehmenden Feindseligkeit gegenüber Muslimen nach den terroristischen Anschlägen im World-Trade-Center. Deshalb feierten die beiden Hodschas Arikan und Ozkok aus den Moscheen Atroper Straße und Hochemmericher Markt, evangelische und katholische Geistliche sowie 200 BesucherInnen den gemeinsamen Gottesdienst unter dem Titel "Wir leben aus gemeinsamen Quellen," beteten, sangen und lauschten zusammen der ökumensichen Feier in verschiedenen Sprachen."Wir alle sind, nach dem Zeugnis des Koran und der Bibel, Abrahams Kinder", betonte Thiesbonenkamp. Juden, Muslime und Christen glauben an einen gemeinsamen Gott.

Überall auf der Welt herrsche Terror, in Indien metzelten fundamentalistische Hindus Christen nieder, Israelis zerbomten muslimische Dörfer, orthodoxe Christen kämpften in Jugoslwien gegen Muslime, protestantische Terroristen warfen in Nordirland Brandbomben auf katholische Kinder, Militärflugzeuge der christlichen USA und Großbritanniens bombardieren seit Jahren das muslimische Land Irak, Rechtsradikale jagen in Deutschland Ausländer jeder Religion. Den zurzeit beschworenen "Krieg der Kulturen" könne man nicht sehen, wohl aber den Kampf Arm gegen Reich. "Qualvoller Hunger, bittere Armut, willkürliche Gewalt, menschenverachtende Unterdrückung" sei der Nährboden für fanatischen Hass, meinte Pfarrer Jürgen Widera. Deshalb gälte es, nicht nur mit den Opfern zu fühlen, sondern auch das Unrecht zu sehen, aus dem die Täter geboren werden."

Im Gebet gegen einen Krieg hieß es "Stärke das Verantwortungsbewusstsein aller politischen und militärischen Machthaberinnen und Machthaber, damit Blutvergießen und Zerstörung sich nicht vervielfachen und Mütter an vielen Orten der Welt den Tod ihrer Kinder beweienen müssen." Entsprechend auch die Friedensaufforderung aus dem Koran, die dem Gottesdienst zugrunde lag: "Wenn jemand einen Menschen erschlägt, so sei es, als habe er alle Menschen erschlagen, und wenn jemand einem das Leben erhält, so sei es, als habe er allen Menschen das Leben erhalten", heißt es dort in Sure 5 gegen Töten und Krieg. Im Islam stünden gelbe Blumen für den Frieden. Entsprechend wurden gelbe Rosen an die GottesdienstbesucherInnen verteilt.

"Die Verbundenheit zwischen Muslimen und Christen" dürfe nicht verloren gehen, betonte der katholische Pfarrer Ulrich Koch. Seit fünf Jahren träfen sich Christen und Muslime in Partnerschaft. Koch verglich das mit Karawanen, die dasselbe Ziel hätten und deshalb den Weg gemeinsam zurücklegten. Man habe zu Beginn der Partnerschaft eine große Tonscheibe in vier Teile geteilt. Zwei Teile hätten die Moscheen bekommen, die beiden christlichen Kirchen die beiden anderen.
Einzeln sind es wohl Scherben, zusammengesetzt - eins.

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(Pressereferat | 2001-09-21)Diese Nachricht drucken