Erster Tag der Kreissynode Moers
Einem König hilft nicht seine große Macht; ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft (Psalm 33)

138 stimmberechtigte Mitglieder der Kreissynode Moers kamen am Feitag, 4. November in der Lintforter Christuskirche zum Abendmahlgottesdienst zusammen, der den Beginn der diesjährigen Herbstsynode markierte. In seiner Predigt stellte Synodalprediger Sieghard Klimkait, Pfarrer der Christuskirchengemeinde Rheinhausen, ausgehend von Psalm 33, 12-21 Überlegungen zu Stärke und Macht in den Mittelpunkt. Im ersten Teil seiner Predigt bezog er sich auf die Situation der Synode "... auf der es um viel Geld geht und um unfreiwillige Veränderungsprozesse". Klimkait stellte fest, der Kirchenkreis, seine Einrichtungen und die 29 Kirchengemeinden seien immer noch stark, immer noch reich und sichtbar in ihrer Arbeit. Stärke sei praktisch. Aber, so der Psalm, wenn man sich darauf verlasse, sei man betrogen. Denn Gott schaue woanders hin - auf die Menschen, die Hunger haben, sich Sorgen machen vor dem Tod, auf einen gütigen Gott warten und zu ihm beten. Finanzieller, strukturell und gremial abgesicherter Einfluss habe oft entscheidende Bedeutung, auch in der Kirche. "Dazu sollten wir als Leitungsgremium stehen. Damit müssen wir offen und sensibel umgehen."

Im zweiten Teil seiner Predigt konzentrierte sich Klimkait auf die vermeintlichen Heilsbringer Stärke und Leistung: "Es ist schön, wenn man uns wegen unserer guten Leistung lobt. Aber davon möchte ich nicht leben müssen. Meine Identität, meinen Lebenssinn, vielleicht sogar mein Lebensrecht will ich davon nicht abhängig machen... Ich möchte offen und aufrecht eingestehen können, dass auch das Böse und das Scheitern Teil meines Lebens ist - und ich möchte damit leben dürfen." Würde, Wert und Selbstachtung hätten wir um Christi willen. Klimkait schloss im Sinne des Psalms: "In allem, was wir beraten und entscheiden, werden wir die Menschen im Blick behalten, vor allem die Menschen abseits der Macht."

Die musikalische Leitung des Gottesdienstes hatte Dorothee Peldszus-Rentel, die die Synodalen mit ihrem Orgelspiel und der Musik des Flötenkreises erfreute. Die Kollekte ist bestimmt für das Projekt "Neue Schule im Müllgebiet Ezbeth El Nakhel" in Kairo. Dort gibt es bereits eine Schule mitten im Müll, wo Menschen vom Müll im Müll leben. Eine zweite Schule muss her, damit die koptischen Schwestern ihre Arbeit fortführen und ausbauen können. Es kamen 895,71 Euro zusammen.

Grußworte: Gute Wünsche und Anregungen

Dr. Christoph Landscheit
Dr. Christoph Landscheit
An den Abendmahlgottesdienst schloss sich ein Imbiss an. Bevor sich die Synode konstituierte, kamen die Gäste zu Wort. Landespfarrerin Christine Busch, Theologische Referentin für den Kirchenkreis in der Ev. Kirche im Rheinland, sprach ein Grußwort. Sie betonte, dass gerade in den aktuellen Spar- und Strukturdebatten das evangelische Profil im Mittelpunkt stehen, dass nicht vom Mangel her gedacht werden soll. Dafür seien drei Punkte besonders zu beachten: Förderung der Ehrenamtlichen, Einbeziehung der Jugend auch in die Entscheidungsebene und die verbindliche Kooperation mit Partnern vor Ort, also Kommune und Ökumene.
Dr. Christoph Landscheidt, Bürgermeister der Stadt Kamp-Lintfort, begrüßte die Synodalen und freute sich über die Wahl des Tagungsortes. Er hob die Bedeutung von Netzwerken zwischen öffentlichen Trägern, Kommunen und kirchlichen Trägern hervor: "Das Ende des Geldes kann und darf nicht das Ende der Ideen sein!"

Bericht des Superintendenten: Kirche ist Gottvertrauen, nicht Geld

Ferdinand Isigkeit
Superintendent Isigkeit
"Vergesst nicht, es ist nicht das Geld, was die Kirche zusammenhält, sondern das Vertrauen ihrer Mitglieder auf Gott." Diese Erinnerung, so erklärte Superintendent Ferdinand Isigkeit in seinem Synodenbericht, sei von den Partnern aus Ruanda während ihres Besuchs im September gekommen. Ihnen sie aufgefallen, dass es den Gemeinden im Kirchenkreis Moers nicht mehr so gut gehe wie früher. Von dem Besuch seien viele Eindrücke zurückgeblieben: "Auch dieser: Wir sollen uns nicht von schlechten Rahmenbedingungen einschüchtern und entmutigen lassen. Gott baut seine Gemeinde weiter."

Gleichwohl spielten die Finanzen im Bericht eine große Rolle. Die gute Nachricht vorweg: Im Haushaltsjahr 2006 bekommen die Gemeinden noch einmal 65 Euro pro Gemeindeglied garantiert. Das entzerrt den Sparprozess in den Gemeinden ein wenig. Die schlechte Nachricht aber ist, dass der Kirchenkreis im Jahr zurzeit etwa 1% seiner Gemeindeglieder verliert, also rund 1.150 Menschen - nicht so sehr durch Austritte als vielmehr durch den Überhang von Sterbefällen gegenüber Geburten. Isigkeit verwies darauf, dass aber nicht nur die Kirchengemeinden, sondern auch die Einrichtungen des Kirchenkreises sparen müssen. Im Auftrag des Kreissynodalvorstandes (KSV) wurden bereits z.T. Sparvorschläge erarbeitet. Manche greifen schon im Haushalt 2006, manche erste in den Jahren 2008 bis 2010. Diese Vorschläge werden erst auf einer der nächsten Synoden beschlossen, wenn die Stellungnahmen der Ausschüsse und Arbeitsbereiche des Kirchenkreises vorlägen. "Mir ist es wichtig, dass die Synode über das Verfahren informiert ist, damit von Anfang an deutlich ist, dass der KSV eine transparente Vorgehensweise anstrebt. Ich weiß aber auch, dass wir unseren Mitarbeitenden auf der Ebene des Kirchenkreises mit dem beschriebenen Verfahren eine Zeit der Sorge zumuten". Der Erhalt von Arbeitsplätzen hätte bei allen Spargesprächen aber höchste Priorität.

Dem möglichen Vorwurf, Kirche beschäftige sich zurzeit zu sehr mit sich selbst, entgegnete Isigkeit, dass "wir in diesen Zeiten unsere Strukturen in den Griff bekommen müssen. Noch sind wir finanziell bewegungsfähig und müssen uns deshalb mit uns selbst beschäftigen. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Welt vergessen. Als Kirche haben wir eine hohe sozialethische Kompetenz, die auch das Bild des Kirchenkreises Moers über lange Jahre prägte." Deswegen sei auch der Ort, an dem die Synode zusammenkomme, ein Zeichen der Solidarität: Kamp-Lintfort. "Die Menschen in dieser Region unseres Kirchenkreises haben besondere Angst um ihre Arbeitsplätze."
Inzwischen habe die Strukturkrise auch die Kirche erreicht und "wir müssen uns nun selbst als Arbeitgeber um soziale Gerechtigkeit bemühen und uns vor dem Hintergrund unserer eigenen ethischen Ansprüche bewähren."

25 Menschen in 5 Arbeitsgruppen = viele gute Ideen

Aussrache im Plenum
Aussprache im Plenum
Ein weiterer Schwerpunkt des ersten Abends der Synode war die Beratung über die Ergebnisse der Arbeit des Struktur- und Zukunftsausschusses, liebevoll auch Strukzuk genannt. Die Sommersynode hatte ihn 2003 beschlossen mit dem Auftrag, die Gemeinden und den Kirchenkreis bei ihren jeweiligen Strukturveränderungsprozessen zu beraten. Dafür sollte der Ausschuss Material erarbeiten und zur Verfügung stehen. Die 25 von der Herbstsynode 2003 gewählten Mitglieder organisierten sich in fünf Arbeitsgruppen:

  • Kooperationen, Finanzen und Verwaltung
  • Gebäude, Grundstücke und Vermögen
  • Kooperationen in einzelnen Arbeitsfeldern
  • Bildungsarbeit und Funktionspfarrstellen im Kirchenkreis
  • Diakonie im Kirchenkreis

Herausgekommen ist eine umfangreiche Materialsammlung, die über Strukturen (auch Doppelstrukturen!) informiert, für die Kirchengemeinden Beispiele bereit hält, ebenso Vergleichsmöglichkeiten und Anregungen. Die Synode besprach den Bericht des Strukzuk in verschiedenen Arbeitsgruppen. Als Ergebnis beschloss die Synode:
Abstimmung
Abstimmung

  • Die Arbeit des Struktur- und Zukunftsausschusses ist mit der Vorlage der Beratungsergebnisse beendet.
  • Die Gedanken/Ergebnisse der synodalen Arbeitsgruppen werden an die entsprechenden Ebenen (Gemeinden, Regionalversammlungen, Kirchenkreis) weitergeleitet.
  • Der KSV wird beauftragt, die Ergebnisse des Struktur- und Zukunftsausschusses bei seinen Sparvorschlägen und Zukunftsentscheidungen der Synode zu berücksichtigen. Den Gemeinden wird empfohlen, entsprechend zu verfahren.
  • Der KSV wird beauftragt, eine angemessenere gremiale Berücksichtigung der Kirchenmusik auf Kirchenkreisebene vorzuschlagen.
  • Die Synode beschloss die bereits vollzogene Bildung der sechs Regionalversammlungen.

Die Synode schloss um 22:30 Uhr mit dem Segen, um am nächsten Morgen um 8:30 Uhr in der Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort ihre Beratungen fortzusetzen.


Links und Tipps:


(Pressereferat | 2005-11-04)Diese Nachricht drucken