
Der zweite Tag der Synode war eine Premiere: Erstmals tagte eine Synode außerhalb kirchlicher Mauern, nämlich in der Lohnhalle der Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort. Der Tag begann um 8:30 Uhr mit einer Andacht, die Michael Ziebuhr, Pfarrer in Lintfort, hielt. Bevor sich die Synode konstituierte, hielt Bergwerksdirektor Reinhard Fox ein Grußwort, in dem er die guten Kontakte, historisch gewachsene ebenso wie aktuelle, zwischen Kirche und Bergbau hervorhob.
Die 137 stimmberechtigten Synodalen begannen ihre Beratungen, indem sie folgende Wahlen durchführten:

Abstimmen über Anträge Anschließend fassten die Synodalen auf Antrag des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) einen Beschluss zur Nachbesserung von Hartz IV. Darin heißt es, dass "die Anrechnung des Kindergeldes auf das Sozialgeld der Kinder nicht in voller Höhe erfolgt, sondern mindestens 10,25 Euro für das erste Kind und 20,50 Euro für das zweite und weitere Kinder als Einkommen unberücksichtigt bleiben" soll. Die Synode appelliert an die Bundestagsabgeordneten der Region, sich für diese Änderung einzusetzen und bittet den Ombudsrat um eine entsprechende Empfehlung an den Gesetzgeber.
Die Prognose der Kirchensteuer- und Kostenentwicklung aus den letzten Jahren hat sich nicht wesentlich verändert. Erfreulich ist, dass erheblich geringere Beträge aus der Finanzausgleichsrücklage entnommen werden mussten als erwartet: in 2004 rund 265.000 Euro, in 2005 voraussichtlich rund 200.000 Euro. Auch fällt der Rückgang der Kirchensteuer in der Schätzung für das Haushaltsjahr 2006 etwas geringer aus als erwartet. Grund zur Entwarnung besteht dennoch nicht: Die Gemeinden sollten weitere Einsparungen einplanen, weil das Kirchensteueraufkommen zurückgeht, die Gemeindegliederzahlen sinken und die allgemeine Kostensteigerung nicht zu umgehen ist. Für die Gemeinden bedeutet das: Der garantierte Kirchensteuer-Pro-Kopf-Betrag wird für 2006 noch einmal 65 Euro betragen. Für die Jahre bis 2010 ist aber weiterhin mit einer Absenkung bis auf 60 Euro zu rechnen. Trotzdem können auf der Basis dieser Prognosen die Sparmaßnahmen über einen längeren Zeitraum gestreckt werden.

Superintendent IsigkeitAuch der Kirchenkreis muss sparen: Als Sparziel für den Kirchenkreis bis 2008/2010 sind 15% auf der Basis des Haushalts 2004 formuliert, das entspricht 431.000 Euro. Da von den Ausschüssen der Einrichtungen des Kirchenkreises noch keine Stellungnahmen vorliegen, werden Sparbeschlüsse, die die späteren Haushalte betreffen, erst auf der Sommersynode 2006 getroffen. Die erste Runde der Sparvorschläge in Höhe von rund 110.000 Euro, die bereits in den Haushalt 2006 eingeflossen sind, wurde von den Synodalen angenommen. Superintendent Ferdinand Isigkeit betonte, dass dieses gestaffelte Verfahren dazu diene, keinerlei Vorentscheidungen über die Zukunft einzelner Arbeitsbereiche zu treffen.
Der Keissynodalvorstand (KSV) wurde nach einer Aussprache von den Synodalen beauftragt, Beschlussvorschläge für Einsparungen im Kirchenkreishaushalt bis 2008/2010 in Höhe von 15% auf der Basis des Haushalts 2004 zur Sommersynode 2006 vorzulegen. Die Synodalen beauftragten weiterhin den Superintendent und den KSV, Gespräche mit Nachbarkirchenkreisen und der Landeskirche zu führen, um bestehende Zusammenarbeit fortzuführen oder neue Kooperationen anzustreben.
Die Kreissynode beschloss weiter, eine Entlastungspfarrstelle für den Superintendenten zum 1.10.2006 einzurichten, damit die Arbeit in der abgebenden Kirchengemeinde nicht leidet. Bisher wurden die SuperintendentInnen entlastet durch PfarrerInnen zur Anstellung oder im Sonderdienst. Verbunden mit dem Beschluss ist die Bitte an die Kirchenleitung wegen der Größe des Kirchenkreises um Freigabe der Stelle mit 100%. Hintergrund dieses Beschlusses ist der Gedanke, dass, so Ferdinand Isigkeit "für eine Gemeinde, die ihren Pfarrer als Superintendenten abgibt, Kontinuität in der Arbeit gewährleistet bleibt".
Die Eingangsworte von Diakoniepfarrer Thomas Gregorius sind, auch im kirchlichen Raum, selten geworden. Einer Beobachtung des Diakonischen Werks Kirchenkreis Moers zufolge möchte eine zunehmende Zahl diakonisch interessierter Menschen aus ihrem Vermögen soziale Angelegenheiten unterstützen. Sie achten dabei auf die Langfristigkeit der Projekte. Bisher war es nur möglich, für bestimmte Projekte in einem zeitlich begrenzten Rahmen zu werben. Die Alternative, Geld in eine Stiftung einzubringen und so den Wunsch nach Langfristigkeit aufzunehmen, war bisher nicht gegeben. "Gelder des guten Willens sollen nicht abwandern in den säkularen Bereich", so Gregorius. Die Kreissynode Moers beschloss die Errichtung sowie die Stiftungssatzung der Stiftung zur Förderung der Arbeit des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Moers mit dem Namen "Niederrheinische Diakoniestiftung im Kirchenkreis Moers". Das Gründungskapital beträgt 50.000 Euro, vorbehaltlich der Zustimmung der Landeskirche.
Als nächstes standen Beratungen über die kleinste Gemeinde im Kirchenkreis an, die Kirchengemeinde Essenberg mit 487 Gemeindegliedern. Nachdem die Umwelt- und Gemeindepfarrstelle mit dem Ausscheiden von Herrmann Wennmann nicht wiederbesetzt worden war, ist die Gemeinde mit der Kirchengemeinde Hochheide im Gespräch über eine langfristige Kooperation bzw. Fusion. Bis zu einem endgültigen Ergebnis werden die Essenberger von den Hochheidern mitversorgt. Die Synode beschloss im Falle der Kooperation der beiden Gemeinden einer Weitergewährung der Pfarrbesoldungsgarantie auf Grundage der Gemeindegliederzahl. Kurz: Das Geld, dass die Essenbergern zahlen, damit Gottesdienste, Seelsorge und pfarramtliche Versorgung gewährleistet bleiben, bekommen die Hochheider.
Nach einer solchen Ballung zukunftsträchtiger Entscheidungen war die kurze Pause sehr willkommen. Gestärkt ging es weiter mit Beratungen über Verwaltungsangelegenheiten.

ZahlenkolonnenDer Stellenplan für den Kirchenkreis Moers wurde beschlossen, ebenfalls die Umlagen u. a. für den Kirchenkreis in Höhe von rund 860.000 Euro für das Diakonische Werk, 270.000 Euro für die Ev. Beratungsstelle, rund 1 Million Euro für den Kirchenkreis und rund 60.000 Euro für die Neue Arbeit Niederrhein. Diese Umlagen bringen die Gemeinden aus ihren Kirchensteuern auf und gewährleisten damit auch die Arbeitsfähigkeit des Kirchenkreises. Der Kirchenkreis Moers als "armer Kirchenkreis" erhält aus Mitteln des übersynodalen Finanzausgleichs der Landeskirche 3,7 Millionen Euro. Durch die eigenen Kirchensteuermittel und dem Betrag der Landeskirche kann damit den Gemeinden in 2006 einen Pro-Kopf-Betrag von 65 Euro garantiert werden.
Die nächste Synode findet statt am 19. und 20. Mai 2006 in der Kirchengemeinde Homberg.
Das Landesjugendcamp kommt! Und zwar vom 15. - 18. Juni 2006. Zu dieser Großveranstaltung werden ca. 4.000 Jugendliche aus dem ganzen Rheinland erwartet. Angesichts solcher Menschenmassen und eines vielseitigen Angebots bedarf es nicht nur der Aufgeschlossenheit der Gemeinden und der Bürgerinnen und Bürger. Auch Ehrenamtliche sind gefragt - Freiwillige, nicht nur aus der Jugendarbeit der Kirchengemeinde, die Lust, Zeit und Freude daran haben, ein bis vier Tage lang zum Gelingen dieses "Events" beizutragen. Informationen beim Jugendreferat des Kirchenkreises Moers, Telefon 02841 - 100 168.
Auch die Abschiebepraxis im Bereich der Ev. Kirche im Rheinland fand die Aufmerksamkeit der Synode, da anscheinend zunehmend Familien betroffen sind, die schon lange Jahre in Deutschland leben und deren Kinder hier geboren wurden.
Die Synode wurde hingewiesen auf das Gedenken aus Anlass des Jahrestages des Novemberprogroms von 1938 am Mittwoch, 9. November um 10 Uhr am Mahnmal an der Dr.-Hermann-Bähr-Straße.
Die Kreissynode endete gegen 12:30 Uhr, eine Stunde früher als geplant, mit einem Gebet und Segen.