
Das Kirchenjahr neigt sich im November mit dem Buß- und Bettag sowie dem Ewigkeitssonntag dem Ende zu. Die Leichtigkeit des Sommers ist endgültig vorüber, aber für die Besinnlichkeit der Adventszeit ist es eigentlich noch zu früh. Die Tage werden kürzer und grauer, die Stimmung ist oft gedrückt und trübe. Viele weichen dem aus, stürzen sich schon jetzt auf Plätzchen und Weihnachtsschmuck und verlängern so die Adventszeit nach vorne. Andere halten die Ernsthaftigkeit des Novembers ganz bewusst aus, auch wenn es schwer fällt. "Memento mori!", Gedenke des Todes – der Wahlspruch der Trappistenmönche passt wohl am besten zu der Stimmung des Novembers. Es gibt vermutlich niemanden, der sich gern mit dem eigenen Tod und Sterben auseinandersetzt. Das ist ein Thema, dem man, solange es geht, ausweichen möchte. Francis Bacon hat gesagt: "Die Menschen fürchten den Tod so, wie die Kinder das Dunkel fürchten." Er hat vermutlich Recht. Dennoch kann eine große Weisheit darin liegen, darüber nachzudenken, dass dieses Leben, das einen Anfang gehabt hat, auch ein Ende haben wird.
Die Kirche begeht darum von alters her zwei Gedenktage im November, die dies zum Thema haben: den Ewigkeitssonntag am Sonntag vor dem ersten Advent und den Buß- und Bettag am Mittwoch davor. Beide haben ihren eigenen Schwerpunkt. So war der Buß- und Bettag gedacht als ein Tag "der frommen Andacht und ernsthaften Betrachtung über den sittlichen Zustand des Volks" und am Ewigkeitssonntag wird der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. An beiden Tagen geht es darum, nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen über das Leben nachzudenken, über die Hoffungen, Chancen – aber auch über die Grenzen und das, was darüber hinausgeht: die Ewigkeit. Trotzdem kostet es wohl die meisten Menschen Überwindung, diesem Thema nicht auszuweichen und einen der zahlreichen Gottesdienste und Andachten am Buß- und Bettag sowie am Ewigkeitssonntag in den Gemeinden zu besuchen – auch wenn es sich lohnt. "Wie glücklich und weise ist der Mensch, der so zu leben bestrebt ist, wie er im Tod befunden zu werden wünscht." (Th. v. Kempen)