Vor drei Monaten war das Jugendcamp 2006 – Wie war das eigentlich im Organisationsbereich Moers?

Wo standen die Bänke aus der Stadtkirche in der Zeit des Jugendcamps 2006 im Juni? Wie funktionierte die Getränkeversorgung und wieviel Kästen Wasser und Limo wurden benötigt? Wer hat daran gedacht, für den Hund einer blinden Künstlerin einen Napf mit Wasser bereitzustellen... Fragen, die Ulrich Dannfeld, Diakon und Gemeindepädagoge der Evangelischen Kirchengemeinde Moers, zuständig für die Kinder- und Jugendarbeit, beantworten kann. Denn Dannfeld war das Bindeglied zwischen Kirchengemeinde und Trägerkreis des Jugendcamps. Er saß in den Räumen des Gemeindeamts, sozusagen im Epizentrum der örtlichen Organisation, und kümmerte sich um den Organisationsbereich Moers.

Medienbereich eingerichtet

Jugendliche an Notebooks
Redaktionsräume mussten organisiert werden...

"Das alles hat prima und unkompliziert geklappt", erzählt Dannfeld. "Ab Mittwoch Nachmittag hat die Kirchengemeinde Moers die Gebäude nicht mehr benutzt, die Kolleginnen und Kollegen haben Überstunden genommen, damit die Räume für das Jugendcamp frei waren", freut sich der 44jährige über die Unterstützung durch die Gemeinde.
Auch der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) und das Gemeindezentrum Hülsdonk haben unentgeltlich Räume zur Verfügung gestellt. Im CVJM-Bereich zum Beispiel konnten die Mitglieder des Jugendcamp-Redaktionsteams das Online-Campmagazin mit ihren Berichten, Filmen und Audiodateien füllen. Ein Medienbereich mit elf Arbeitsplätzen für Videoschnitt und Hörbeiträge wurde eingerichtet, ein Zimmer für die Pressekonferenzen frei gehalten. "Den Tersteegensaal wiederum brauchten wir für das Café Lautlos, ein Café von behinderten Schülerinnen, denn dort im Keller stehen die Kühlanlagen."
Was normalerweise Gemeindeamt, ist wurde zur Organisationszentrale umfunktioniert und zur Verwaltung: Dort wurden Rückfragen beantwortet, Essenmarken verkauft, Quartierfragen geklärt, Programme verkauft und T-Shirts. Im Hof war ein Zelt für ehrenamtliche Mitarbeitende aufgebaut zur Koordination und als Anlaufstelle. Dort schlugen die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden auch ein Lager für spontan benötigte Materialien auf. Schließlich mussten Busse für Rollstuhlfahrer organisiert werden. Und da zeigte sich auch das Interesse der Älteren an diesem Event, denn die Fahrer der Busse waren zumeist ältere Freiwillige.

126 Kästen à 12 halbe Liter Limonade

Von besonderer Bedeutung war die Getränkeversorgung: 126 Kästen à 12 halbe Liter Limonade und Cola wurden insgesamt benötigt, 360 Kästen mit Wasser. "Und dabei haben die Jugendlichen noch zu wenig getrunken für die Temperaturen und die Anstrengungen, die das Jugendcamp gekostet hat", meint der Gemeindepädagoge. Gelagert wurden die Getränke in einem geliehenen Kühlwagen. "Das war für die Zeit der Weltmeisterschaft schwierig zu bekommen, aber der Geschäftsführer eines Supermarktes machte es möglich," erzählt Dannfeld. Ehrenamtliche verteilten von dem zentralen Platz die Getränke in die Stadtkirche, das Global Village, zu den Sportplätzen. "Wir haben uns immer wieder um den Grundstock gekümmert und konnten so rasch weiterverteilen, wenn eine Anfrage kam", beschreibt Dannfeld die Organisation.

Bänke aus der Stadtkirche

Schon zuvor hatte die Frage geklärt werden müssen, wo die Bänke aus der Stadtkirche untergebracht werden könnten. Eine Möbelspedition wurde beauftragt, die sie abholte und lagerte. Dann bauten Dannfeld und Konfirmanden gemeinsam die Sitzkartons für die Besuchenden auf. Schließlich mussten Techniker für Licht und Akkustik das Gebäude begehen, für den Turm der Stadtkirche, wo ein Entspannungsraum war, entsprechendes Mobiliar zur Verfügung gestellt werden - die Liste der Aufgaben ist lang.
Als besonders gelungen hebt Dannfeld auch die Kooperation mit der Stadt hervor. "Die Mitarbeitenden waren sehr kooperativ und haben beraten. Die Stadt hat auch Material beigesteuert, z. B. den Lastwagen für den Transport von Bühnenelementen und sogar eine komplette Bühne. Ein Mitarbeiter des Jugendamtes hat sogar beim Aufbauen geholfen." Auch die Sportvereine waren engagiert, so dass die Sportplätze mitbenutzt werden konnten.

Schnell Gabeln für 150 Chormitglieder besorgen

"Insgesamt war es wichtig, dass es jemanden gab, der von allen Bereichen wusste, beschreibt Dannfeld seine Rolle, "jemanden, der die Örtlichkeiten kannte und wusste, was wo möglich ist. Dazu gehören auch so notwendige Kleinigkeiten, wie, dass jemand weiß, wo ein Besen für die Bühne ist, oder dass wir für den Hund einer blinden Künstlerin ein Schälchen mit Wasser bereitstellen konnten." Und schließlich als die 150 Mitwirkenden von der Aufführung "What a wonderful world" essen wollten, aber die Gabeln fehlten, kam es eben darauf an zu wissen, wo man schnell so viel Besteck herbekommt.

Handys waren unerlässlich

"Handys waren unerlässlich zur Absprache." Auch und gerade mit den Ehrenamtlichen. Und die haben tolle Arbeit geleistet: Da gab es z. B. den Mülldienst, eine eigene Müllgruppe, die die Örtlichkeiten mit 80 Mülltonnen versorgt haben und immer wieder alle Wege abschritten und vom Müll befreiten. "Das ist von mehreren lobend erwähnt worden", gibt Dannfeld die Rückmeldung weiter. Ebenso die Plakatierungen, die Nachtwachen, das Aufhängen der Flaggen. "Es hat gut funkioniert, weil sehr engagierte und vernünftige Leute gern Aufgaben übernommen haben", resumiert Dannfeld.

Toll, die Kirche einmal als ganz anderen Raum zu erleben

"Ich habe die Tage in sehr positiver Erinnerung", auch wenn man uneingeschränkt von morgens sieben bis nacht ums 1 Uhr präsent sein musste." Sporadisch war Dannfeld auch bei Veranstaltungen dabei, aber nur selten, denn es gab viel zu tun. Am Eröffnungsgottesdienst konnte nicht nur er nicht teilnehmen: Ein Schlauch, der Wasser für den Abend der Begegnung liefern sollte, war geplatzt. "Man kann nicht jeden Schlauch für die Wasserversorgung benutzen", wissen jetzt die Ersatzsuchenden nach der Odysee durch Moers. Aber mitbekommen hat er doch viel, auch, weil er als "Hausherr" immer wieder nach dem Rechten schauen musste. "Es war toll, die Kirche einmal als ganz anderen Raum zu erleben, wo die Jugendlichen sich frei bewegen konnten, ohne Bänke."

1.200 Sitzkartons auf den Kastellplatz

Stadtkirche mit Kartons statt Bänken und Bühne
Zum Schlussgottesdienst mussten 1200 Sitzkartons auf den Kastellplatz vor die Bühne geschafft werden.

Zum Abschluss des Camps mussten 1.200 Sitzkartons auf den Kastellplatz geschafft werden. Viele, die vorbeigingen, halfen spontan mit. Innerhalb von 15 Minuten waren alle Kartons transportiert. "So entsteht ein sehr schönes Verhältnis zum Ehrenamt: Ich sehe etwas, mache mit und anderen eine Freude."
Schon die nächsten Tage gab es andere Veranstaltungen in der Stadtkirche, Dienstag war bereits wieder alles, wie vorher, die Gemeinden hatten die geliehenen Garnituren und Zelte wieder, die Möbelspedition hatte die Bänke zurückgebracht, Dannfeld hat sie mit Freiwilligen verschraubt. Und auch der Schlaf war nachgeholt.
"Die Stimmung war schön, überall war etwas los. Viele Aktivitäten waren gut genutzt und es ist kein großer Lapsus passiert in dem Bereich, den ich überblicken konnte," erzählt der Diakon. "Für uns in Moers war es eine schöne Erfahrung und Kirchenkreis und Gemeinde waren Willkommen heißende Gastgebende."

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(Pressefererat | 2006-09-18)Diese Nachricht drucken