
Vieles ist in den vergangenen Tagen zum Insolvenzantrag von BenQ gesagt worden. In einem Pressegespräch im Gemeindehaus der Christuskirchengemeinde in Kamp-Lintfort, keine 2 km von der BenQ-Zentrale entfernt, formulierten heute Präses Nikolaus Schneider und Ferdinand Isigkeit, Superintendent des Kirchenkreises Moers, ihre Einschätzung und Bewertung der Vorgänge. Auch ein doppelt Betroffener kam zu Wort: Alfred Wiesner, Presbyter der Lintforter Christusgemeinde und seit knapp 10 Jahren beschäftigt bei Siemens bzw. BenQ.
„Wenn Gemeindeglieder leiden, ist Kirche gefragt“, hielt Superintendent Isigkeit vorweg fest. Er verwies auf die Tradition der Solidarität von Kirche und Arbeitnehmern – nicht nur im Kirchenkreis Moers, sondern gerade auch in der Lintforter Gemeinde. Nicht nur der Ort, die gesamte Region sei betroffen. Beide stünden nicht nur an, sondern auch auf der Seite der Betroffenen.
Präses Schneider strich die Bedeutung von Vertrauen heraus als wesentliches Element unserer Gesellschaft und des Wirtschaftens. „Das Besondere im Falle von BenQ ist: Hier stand Vertrauen gegen Vertrauen“, die Belegschaft sei zu immensen Zugeständnissen bereit gewesen, um dafür eine Perspektive zu bekommen. „Objektiv haben wir es mit einem Vertrauensbruch zu tun.“ Nothilfe allein reiche nicht aus, die Menschen müssten eine Perspektive bekommen und Vertrauen wieder hergestellt werden. „Wirtschaften ist kein Selbstzweck, es geht nicht nur um den Gewinn von Firmen und Anteilseignern. Wirtschaft dient dem Menschen. “ Auf Nachfrage, was Kirche denn politisch tun könne, machte der Präses deutlich, dass Kirche im Gespräch auch mit Akteuren aus Politik und Wirtschaft stehe, aber: „Wir sind keine Partei und wir sind auch keine Gewerkschaft. Unsere Aufgabe ist es unter anderem, die Sicht auf Menschen zu schärfen und Wirklichkeitsverluste auszugleichen, die in den Führungsetagen entstehen. Wir stellen die Frage nach den Bedingungen von Gerechtigkeit und Frieden.“ Er forderte Transparenz bis hin zum Offenlegen der Verträge und Vereinbarungen, die im Zuge des Verkaufs von Siemens an BenQ geschlossen worden sind.
Alfred Wiesner, der den vor zweieinhalb Jahren ausgehandelten Ergänzungstarifvertrag mitgetragen hat, der den Beschäftigten (damals noch von Siemens) 30% weniger Einkommen brachte, beschreibt seine Stimmung so: „Das permanente Auf und Ab zermürbt.“ Seit über zwei Jahren wären die Angestellten mit der Unsicherheit konfrontiert, wie es weitergeht. „Dabei ist unsere Arbeit gut, wir sind motiviert. Die Fehler sind nicht bei uns gemacht worden, aber wir müssen dafür bezahlen.“