Bundesverdienstkreuz am Bande für Gisela Stoldt

Es war "die eigene Erfahrung - in meinem Fall in Afrika -, dass man im fremden Land Hilfe und Tipps benötigt", sagt Gisela Stoldt. Sie erklärt damit, warum sie Flüchtlinge in Moers und Umgebung oder Abschiebungsgefangene nicht mit Sprachbarrieren und Schwierigkeiten mit Behören oder Gerichten allein lassen will.
Aber auch wegen einer zweiten Erfahrung begann sie Mitte der achtziger Jahre als Ehrenamtliche mit Flüchtlingen zu arbeiten: Im Kongo und in Algerien lernte sie die Lebensbedingungen der EinwohnerInnen kennen und will darum dazu "beitragen, dass mehr Verständnis entsteht für die Fluchtgründe der Flüchtling, von denen es nur ein Bruchteil nach Deutschland schafft."

Für ihr Engagement wurde die fast 62-jährige geehrt. Bundespräsident Johannes Rau hat ihr aus "Anlass des Tages des Ehrenamtes 2001 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen", wie es umständlich in der Mitteilung an sie heißt. NRW-Arbeitsminister Harald Schartau hat ihn in Düsseldorf überreicht.

Auf dem Weg zum Ehrenamt

Anfang der sechziger Jahren war es, da lernte sie Stipendiaten vom Weltkirchenrat kennen und mit ihnen die Aufbruchstimmung in den afrikanischen Ländern. Viele Staaten waren gerade unabhängig geworden. Gisela Stoldt ging in den Kongo, um das Internat einer Mädchenoberschule zu leiten. Den Alltag lernte sie hautnah kennen. Immerhin musste sie mit dem Geld der Schule wirtschaften. Weitere wichtige Station: 1975 Algerien. 1978 zog sie mit ihrer Familie nach Moers.
Aus dem Ehrenamt für die Flüchtlinge ist 1990 eine Halbtagsstelle geworden. Als 1993 das Hafthaus in Moers zur Abschiebungshaft umfunktioniert wurde, besuchte sie fast täglich Gefangene. Mittlerweile hat sie das einschränken können, da seit mehreren Jahren zwei Hauptamliche und im Moment drei Ehrenamtliche mitarbeiten. Weitere Ehrenamtliche sind ihr sehr willkommen. "Sie können Sprachkenntnisse auffrischen und Erfahrungen menschlich-interessante Erfahrungen sammeln", lockt die Verdienstkreuzträgerin.

Barrieren abgebaut

Ihr unermüdlicher Einsatz hat inzwischen Barrieren abgebaut. Zu der diesjährigen Weihnachtsaktion kamen genug Päckchen für die 140 von Abschiebung Bedrohten und damit ein kleiner Trost für sie. Über einen seelischen Trost ganz anderer Art ist die Flüchtlingsberaterin besonders erfreut. Ein muslimischer Geistlicher war zur Zeremonie des Ramadanendes ins Hafthaus gekommen. Das, so die Hoffnung, sollte fest eingerichtet werden. Bislang kamen nur evangelische und katholische Pfarrer zu den Männern, 70 Prozent der Flüchtlinge jedoch sind Muslime.

Hoffnungen

Letztlich hat die Presbyterin der Kirchengemeinde Moers aber eine andere Hoffnung: "Abschiebungshaft ist und bleibt unverhältnismäßig. Würde das viele Geld, mit dem sie finanziert wird, für Betreuung und Beratung der Flüchtlinge genutzt, wäre sie überfüssig. Dies lehrt die Erfahrung in der eigenen Kommune." So werden in der Beratungsstelle Flucht und Migration der evangelischen Gemeinden in Moers beispielsweise gemeinsam mit den Betroffenen Perspektiven für eine mögliche Existenz nach der Rückkehr überlegt, etwa durch eine berufliche Qualifizierung.

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(Pressereferat | 2001-12-21)Diese Nachricht drucken