Die Zahlen und die Hoffnung
Zweiter Tag der Kreissynode des Kirchenkreises Moers

Cornelia Brennemann aus der Ev. Kirchengemeinde Rumeln-Kaldenhausen stimmte die 138 Synodalen am zweiten Tag der Herbstsynode in ihrer Andacht auf die dicht gedrängte Tagesordnung ein. „Fahre nicht schneller, als Dein Schutzengel fliegen kann.“ Diese Aufforderung, die ihr auf einer langen Autofahrt begegnete, kann nicht nur auf den Straßenverkehr angewendet werden. Brennemann, nicht-theologische Mitarbeiterin im Gemeinsamen Pastoralen Amt der Gemeinde, erinnerte die Synodalen daran, dass dieses Bild auch für sie gelten kann, an diesem Tag – die Punkte auf der Tagesordnung abarbeiten, Entscheidungen treffen, schnell nach Hause, wo Familie, Garten, Einkäufe, ein voller Schreibtisch auf sie warten. „Fuß vom Gas und die nächste Parkbucht anfahren, sich öffnen für das, was Gott uns zeigen will, bevor der Tank so leergefahren ist, dass der Wagen nicht mehr von der Stelle kommt. Wenn wir uns auf Gottes Segen einlassen, hat auch der Schutzengel die Chance, uns einzuholen. Mit dem Zutrauen auf Gottes Segen werden wir zu Beschenkten, die davon etwas weitergeben können.“

Gewählt

Nach der Konstituierung der Synode im Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde Rumeln-Kaldenhausen überbrachte Pascal Batalingaya, Pfarrer der ruandischen Partnerkirche in Kigali, der Eglise Presbytérienne au Rwanda, die herzlichen und geschwisterlichen Grüße seines Kirchenpräsidenten. Batalingaya promoviert an der Ruhr-Universität Bochum und wird nach seiner Rückkehr ruandische Theologiestudierende ausbilden können. Anschließend widmete sich das Kirchenparlament den ersten Entscheidungen des Tages und wählte neue Mitglieder in einige der Ausschüsse. Superintendent Ferdinand Isigkeit dankte Hanskarl von Unger für seinen Dienst, den er 35 Jahre als Synodaler und Vorsitzender des Entwicklungshilfeausschusses ausgefüllt und Spuren hinterlassen hat, besonders in der Partnerschaftsarbeit mit Ägypten. Die Ergebnisse der Wahlen im einzelnen:

  • Entwicklungshilfeausschuss
    Diemar Boos (Vorsitzender) und Edith Schwarz (stellv. Vorsitzende)
  • Kreissynodalrechnungsausschuss
    Rainer Felske (Ev. Kgm. Lintfort) und Siegfried Rupprecht (Ev. Kgm. Neukirchen)
  • Nominierungsausschuss (Vertretung der Nordregion)
    Pfarrer Peter Muthmann, Ev. Kgm. Lintfort

Der lange Weg zu Ergebnissen

Unter dem Tagesordnungspunkt „Anträge“ entschied die Synode nach intensiver Diskussion, die Gründung einer Interessengemeinschaft Ev. Tageseinrichtungen für Kinder im Kirchenkreis Moers zu empfehlen: „Die Synode des Kirchenkreises Moers empfiehlt angesichts der im Bereich der Tageseinrichtung für Kinder bestehenden und zukünftig noch anwachsenden Anforderungen die Gründung einer Interessengemeinschaft Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder im Kirchenkreis Moers. Die bisher vom Referat für Kindertageseinrichtungen wahrgenommenen Aufgaben bleiben Arbeitsbereiche des Kirchenkreises Moers. In Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft soll eine Stärkung der fachpädagogischen und fachaufsichtlichen Begleitung der Einrichtung erreicht werden. Die Synode des Kirchenkreises empfiehlt den Gemeinden, die Träger einer Tageseinrichtung sind, in dieser Interessengemeinschaft mitzuwirken.“
Über die mittelfristige Finanzplanung und den Stand der Umsetzung des Beschlusses der vergangenen Sommersynode informierte Superintendent Isigkeit. Im Mai 2006 hatte die Synode entschieden, dass jeder Arbeitsbereich bis zur Herbstsynode 2007 Einsparszenarien in Höhe von 15%, 25% und 50%, basierend auf dem Haushaltssoll 2004, entwickeln soll. Die Vorgehensweise sieht so aus:

  • die Ausschüsse erhalten Arbeitsblätter, damit die Vergleichbarkeit der Angaben gewährleistet ist,
  • ein Arbeitskreis für die Entwicklung einer „Neuen Abteilung“ wird vom Kreissynodalvorstand (KSV) berufen,
  • der Superintendent führt Gespräche mit den Nachbarkirchenkreisen und der Landeskirche über mögliche Zusammenarbeit in Arbeitsbereichen,
  • die Ausschüsse sollen die Arbeitsblätter bis Februar 2007 ausgefüllt haben, die dann im Finanzausschuss diskutiert werden,
  • die entstehende Vorlage wird bis zu den Sommerferien 2007 auf einem Pfarrer-Presbyter-konvent und einer Kirchmeistertagung vorgestellt und diskutiert,
  • während des Prozesses soll das Gespräch mit den Mitarbeitenden gesucht werden.

Zahlen und Daten

Jürgen Eichholz vor der Synode
Unter dem Tagesordnungspunkt "Verwaltungsangelegenheiten" sammelten sich jede Menge Zahlen

Unter dem Tagesordnungspunkt "Verwaltungsangelegenheiten" sammelten sich jede Menge Zahlen – vom Stellenplan des Kirchenkreises über seinen Haushaltsplan bis zu den Umlagen. Auf Empfehlung des Kreissynodalvorstandes beschloss die Synode einstimmig den Stellenplan für den Kirchenkreis Moers und seinen Haushaltsplan. Der neue Haushalt ist noch eine Fortschreibung des alten, gravierende Änderungen gab es nicht, die bereits realisierten Ersparnisse wurden durch Kostensteigerungen weitestgehend neutralisiert. Die gute Nachricht ist, dass die Gemeinden für 2007 mit 67 Euro (2 Euro mehr als im laufenden Jahr und 7 Euro mehr, als 2003 prognostiziert) pro Gemeideglied rechnen können, ohne die Finanzausgleichsrücklage zu belasten – im Gegenteil, es werden voraussichtlich 200.000 Euro Überschuss zugeführt werden können. Das bedeutet aber keinerlei Entwarnung im Hinblick auf die weiteren Sparaufgaben und die Prioritätendiskussion, wie Jürgen Eichholz, Vorsitzender des Finanzausschusses betonte. Im Gegenteil: Das momentane Zwischenhoch in den Kirchensteuereinnahmen wird nicht von Dauer sein, die demografische Entwicklung wird sich auch nicht umkehren und weiterhin sterben mehr Gemeindeglieder, als getauft werden. Bis 2010 sollen aber die 67 Euro gehalten werden, auch, wenn dafür die Finanzausgleichsrücklage belastet werden sollte. Die Umlagen für kreiskirchliche Einrichtungen, Ev. Beratungsstelle, Pfarrbesoldung, Diakonie, Neue Arbeit Niederrhein e.V. und Meldewesen wurden ebenfalls einstimmig verabschiedet.
Beschlossen wurden auch die Termine für die nächsten Kreissynoden am 1. und 2. Juni (Baerl) bzw. am 9. und 10. November (Friemersheim).

BenQ Thema der Beratungen – einstimmiges Abstimmungsergebnis

Heinz Bogotz
Heinz Bogotz, Betriebsrat bei BenQ in Lintfort, gab der Synode einen Überblick über die Geschehnisse bei Siemens / BenQ.

Die Situation in Kamp-Lintfort bei BenQ war ein eigener Tagesordnungspunkt. Heinz Bogotz, Betriebsrat bei BenQ in Lintfort, gab der Synode einen Überblick über die Geschehnisse bei Siemens / BenQ. „Ich unterstelle nach wie vor, dass von BenQ nie die Absicht bestand, dass Geschäft fortzuführen.“ Der höchste Firmengewinn in der Geschichte von Siemens, 3,1 Milliarden, kontrastiert aufs Schärfste mit den notwendigen 200 Millionen, die für eine halbwegs sozialverträgliche Regelung notwendig wären und die Siemens immer noch nicht zugesagt hat. Er lud die Synodalen herzlich ein, im Zelt der Solidarität vorbeizuschauen, mit den Beteiligten zu sprechen, Gesicht zu zeigen.
Pfarrer Jürgen Widera vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) berichtete: „Die von der Freistellung betroffenen Kolleginnen und Kollegen wurden praktisch in die Arbeitslosigkeit entlassen, ohne, dass eine geplante Auffanglösung hinreichend finanziert und abgesichert ist. Eine entscheidende Rolle kommt hierbei der Siemens AG. Die Belegschaft hat erst im Juni 2004 gegenüber der Siemens AG erhebliche Zugeständnisse gemacht, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten.“ Deshalb erwartet die Synode von der Siemens AG, die sich laut eigenem Leitbild dazu bekannt hat, „Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, in der das Unternehmen tätig ist“ und den geschäftlichen Erfolg „eng mit ... Engagement für die Gesellschaft verbunden“ sieht, Sorge zu tragen für eine sozialverträgliche Lösung und einen fairen Umgang mit ihren ehemaligen Beschäftigten. Ebenso appelliert die Kreissynode Moers an das Unternehmen, sich seiner regionalpolitischen Verantwortung nicht zu entziehen und mitzuhelfen, den strukturpolitischen Schaden für Kamp-Lintfort und die Region zu minimieren. „Wir fordern den Konzern BenQ auf, Mitverantwortung zu zeigen und sich an der Finanzierung von Sozialplänen zu beteiligen. Wir versichern der Belegschaft unseren solidarischen Beistand, wünschen ihrem Protest Kraft und Beharrlichkeit und hoffen mit ihr auf ein zufriedenstellendes Ergebnis.“
Ein spontaner Antrag wurde unter Applaus verabschiedet: „Die Synode bittet die Landessynode 2007 zu beschließen, die Kirchenleitung zu beauftragen, angesichts der Geschäftspolitik und des massiven Arbeitsplatzabbaus trotz exorbitanter Gewinne bei Siemens und der Allianz, die Geschäftsbeziehungen der EKiR zu diesen Unternehmen zu überprüfen und ggf. zu beenden.“

Und zum Schluss

Es gibt ein Umwelthandbuch für Gemeinden, das ab dem 20. November von den Umweltbeauftragten der Gemeinden bezogen werden kann. Am 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte – ein Sonntag. Damit dieser Tag auch im Gottesdienst gewürdigt werden kann, bekommen die Pfarrerinnen und Pfarrer in der nächsten Woche Handreichungen, um sich ggf. mit Anregungen zu versorgen. Im nächsten Jahr ist der Kirchentag ganz nah, in Köln. „Das Rheinland strömt zusammen“ – unter diesem Motto soll ein Fass mit Wasser aus den Flüssen oder Bächen des jeweiligen Kirchenkreises gefüllt werden. In einer symbolischen Aktion werden die Fässer dann während des Kirchentages geleert.
Unter dem Applaus der Synode dankte der Superintendent der gastgebenden Gemeinde Rumeln-Kaldenhausen für die freundliche Aufnahme (die Qualität der geschmierten Brötchen wurde vielfach positiv vermerkt) mit Blumensträußen. Die Synode endete mit Schlussgebet und Schlussgesang um 12:45 Uhr.

(Pressefererat | 2006-11-11)Diese Nachricht drucken