"Früher oder später..."
Doppeltaufe in der Ev. Kirchengemeinde Moers

Am 2. Advent war es für Uwe Kräbber und seine 5 Monate alte Tochter Julia Elisabeth soweit, beide ließen sich in der evangelischen Kirchengemeinde Moers von Pfarrer Klaus Künhaupt taufen. Die Taufe eines Kindes ist oft nicht mehr selbstverständlich, aber warum entscheidet sich ein 37jähriger Erwachsener für die Taufe, die Kirchenmitgliedschaft? Uwe Kräbber erzählt keine dramatische Geschichte: "Es gab nicht den einen Moment der Erkenntnis, das eine erleuchtende Erlebnis, bei dem mir mit einem Schlag bewusst wurde, dass der Glaube wichtig ist. Vielmehr waren es verschiedene Erlebnisse, Gespräche und Begegnungen über einen langen Zeitraum, die letztendlich dazu führten, dass ich mich für die Taufe entschieden habe", erklärte der ausgebildete Industriekaufmann.

Verantwortung, Rückschläge, Niederlagen? Später!

Kräbbers Eltern ließen ihn nicht taufen, sie waren der Auffassung, dass er diese Entscheidung später selber treffen sollte. Trotzdem bestanden seine Eltern darauf, dass er in der Schule an einem der beiden Religionsunterrichte teilzunehmen hätte, um sich später auch ein fundiertes Urteil bilden zu können. Zuhause spielte die Kirche und der Glaube keine besondere Rolle. In Fragen der Erziehung wurde besonders auf Selbständigkeit und Aufklärung Wert gelegt. "Als junger Mensch ging ich davon aus, dass mir prinzipiell alles gelingt, dass ich alles erreichen kann, wenn ich nur will und dass ich unverwundbar bin. Verantwortung, Rückschläge, Niederlagen? Später! Ich regel meine Angelegenheiten selber, wer braucht dazu schon Gott? Es ist ja nichtmal bewiesen, ob es den ‚alten Herrn da oben‘ überhaupt gibt. Außerdem ist das mit dem Glauben doch irgendwie uncool", beschreibt der Marketing-Analyst seine damalige Sicht der Dinge. Erst mit der wachsenden Verantwortung im Berufs- und Privatleben reifte bei ihm die Einsicht, dass man eben nicht alles im Leben selber steuern und beeinflussen kann. "Glück, Pech oder Zufall? Da finde ich die Vorstellung, dass es einen Gott gibt, der, wenn ich darum bitte und mich ihm anvertraue, über mich wacht und mir hilft, sehr tröstlich und beruhigend."

Früher oder später

Ein wichtiger Punkt auf seinem Weg Richtung Taufe war die Begegnung mit Pfarrer Künhaupt im Zuge der Vorbereitungen zur Hochzeit im letzten Jahr. "Wir diskutierten die Frage, ob eine kirchliche Trauung überhaupt in Frage kommt, wenn ein Partner nicht in der Kirche ist." Pfarrer Künhaupt sah diesen Aspekt pragmatisch als Investition in die Zukunft, zumal Kräbber sich offensichtlich Gedanken gemacht hatte und nicht einfach nur in Weiß heiraten wollte und antwortete verschmitzt: "Früher oder später, Herr Kräbber, kriegen wir Sie ja vielleicht doch." Er sollte Recht behalten. "Als die Taufe unserer kleinen Tochter anstand, empfand ich den Zeitpunkt als passend, meine latent vorhandene christliche Überzeugung offiziell zu machen. Der administrative Aufwand dabei war minimal und gut organisiert."

Ich muss nicht zwingend etwas für meine Kirchensteuern herausbekommen

Bei der Erwartung an seine Kirche geht es Kräbber nicht um einen Handel: "Wenn ich für mich persönlich beschlossen habe, dass es Gott für mich gibt, kann ich das offiziell machen und der Gemeinschaft Kirche beitreten, ohne damit bestimmte Erwartungen zu verknüpfen." Auch das Thema Kirchensteuer sieht der Familienvater eher gelassen. "Ich muss nicht zwingend etwas für meine Kirchensteuern herausbekommen. Für mich persönlich ist es absolut ok, wenn mit meinem Geld z.B. kirchliche Einrichtungen oder Projekte unterstützt werden, die denen zugute kommen, die in Not sind. Das ist für mich eine grundsätzliche Entscheidung. Am ehesten verbinde ich mit meiner Kirche die Hoffnung auf Gemeinschaft, Unterstützung und Trost."

(Pressefererat | 2006-12-21)Diese Nachricht drucken