
Nach dem Gottesdienst konstituierte sich die Synode: 125 stimmberechtigte und 14 beratende Synodale waren gekommen, um die Geschicke des Kirchenkreises Moers zu bestimmen.

Zur Tradition gehört das Grußwort von Christine Busch, theologische Referentin im Landeskirchenamt der Evangelische Kirche im Rheinland. Sie sprach über die Frage aus einer Arbeitsgruppe der vergangenen Synode, wie sinnvoll der konziliare Prozess sei. Zu diesem Thema berichtete sie von der 3. Ökumenischen Versammlung in Sibiu, Rumänien, Anfang September, auf der sich 2100 Delegierte aus über 150 Ländern getroffen hätten. "Die Leitfrage war die nach dem Zeugnis: Wie können wir unseren Glauben angemessen und überzeugend bekennen, einladend für andere und für Fremde, und wie können wir Licht der Erde werden für andere Menschen in Europa und auf anderen Kontinenten." Das große Thema sei die Einheit der Kirche gewesen. Massiv getroffen wurde jedoch die Einheit durch das Papstwort, die evangelische Kirche sei nur Gemeinschaft, nicht vollwertige Kirche. Und andererseits sei sie bei der Rückkehr gefragt worden, wie es unter so vielen Weltverbesserern gewesen sei. Es sei das alte Spiel, das sich funktionale Arbeit gegen Verkündigung und Seelsorge behaupten müsse und die Abstimmung zu sozialpolitischen Fragen zwischen verfasster Kirche und ihrer Diakonie nicht zustande komme. "Ich wünsche Ihnen sehr, dass es Ihnen gelingt, diese Facetten in Ihrem Kirchenkreis beieinander zu halten", wünschte die Referentin.
Zehn Empfehlungen von Sibiu nannte Busch, u. a. das Befürworten eines konsultativen Prozesses zur wirtschaftlichen Ungerechtigkeit. Die Charta Oekumenica solle weiter mit Leben gefüllt werden. Initiativen zum Schuldenerlass und zur Förderung des gerechten Handels sollten unterstützt werden. Menschenrechte müssten bei der Migration beachtet und der Kampf gegen Menschenhandel intensiviert werden. "Für viele dieser Vorhaben finden sich Anhaltspunkte in Ihrem Kirchenkreis und in den vorliegenden Anträgen für diese Kreissynode. Das ist Konziliarität praktisch. Sie benötigt kritische Zeitgenossen, die einfach nicht aufhören, den Glauben ins Leben zu ziehen. Ich danke allen, die hier nicht nachgeben."
Der Konziliare Prozess, griff sie die Anfangsfrage auf, käme erst dann ans Ende, wenn die Ökumene für nachrangig erklärt würde. Das heiße nicht trügerischer Kompromiss, kleinster gemeinsamer Nenner oder Harmonie, sondern "ein Verständnis von Gemeinschaft, in dem die auf Christus Getauften wirklich streiten dürfen über die ethischen Implikationen des Evangeliums für die Gegenwart. Sie dürfen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen - und bei all dem dennoch ihren Glauben miteinander teilen und sich Rechenschaft geben über die Wege und das Handeln, zu dem das Evangelium sie bringt." Es gebe die Gemeinschaft, die über die Grenzen der institutionalisierten Kirchen hinausgeht, "die uns anstachelt und ermutigt, provoziert und tröstet, die das Lokale und Globale verbindet, Moers und Ruanda genauso wie die reformierte und die römisch-katholischen Kirche am Niederrhein."
Roland Kühne, Superintendent aus dem partnerschaftlich verbundenen Kirchenkreis Oderbruch, berichtete, dass man im Kirchenkreis Oderbruch, wo der Kirchenkreis bislang negativen Entwicklungen z. B. starkem Gemeindegliederrückgang, Verschlechterung der finanziellen Verhältnisse, nachlief, jetzt selbst agiere. "Es bricht etwas auf, davon haben sich letzte Woche die Mitglieder der Kreissynodalausschüsse aus Moers und Essen-Mitte ein Bild machen können." z. B. von gelingender Jugendarbeit durch die Vernetzung von CVJM und Gemeindejugendarbeit. Er machte Mut, auch neue Wege auszuprobieren, nicht am Alten festzuhalten. An Ferdinand Isigkeit überreichte er die Perspektivschrift "Salz der Erde".
Peter Wirtz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung Rheinhausen, übermittelte herzliche Grüße von der Rheinhauser Bezirksbürgermeisterin Katharina Gottschling. In seinem Grußwort verglich er die politischen und kirchlichen Versammlungen mit ihrem Ringen um Beschlüsse:. "Für Ihre anstehenden Entscheidungen wünsche ich Ihnen gutes Gelingen."

In seinem Bericht überraschte Superintendent Ferdinand Isigkeit die Synodalen mit einem Blick auf eine Prioritätendiskussion, die bereits 425 Jahre zurücklag: Damals gab es die Möglichkeit, das ehemalige Kloster der Karmeliter als Schule oder zur Erweiterung des Moerser Armenhauses zu verwenden. Mehrere Jahre dauerte die Entscheidung. Ein Gutachten empfahl die Schule. Graf Adolf nahm die Empfehlung an, das heutige Adolfinum in Moers entstand. Doch die Geschichte endete damit noch nicht. Die Armenpflege wurde nicht zugunsten der Schule aufgegeben, sondern fortgeführt. Als später Peter Hartzing, ein ehemaliger Adolfiner, die Hartzing-Clausthal-Stiftung gründete, die armen Moerser Kindern die Studien am Gymnasium und dann der Universität ermöglichen sollte, hatte auch das diakonische Moment gewonnen. Für Isigkeit leitete sich daraus ab, dass eine Prioritätendiskussion gute Argumente, wie im Gutachten, Herz, wie von Hartzing und Zeit für die Entscheidung notwendig seien. "Prioritär entscheiden bedeutet nicht, das eine zu Gunsten des anderen zu lassen, sondern angemessene Lösungen für die besonderen Herausforderungen der Zeit zu finden.” Bildung, Diakonie und Verkündigung als Auftrag der Kirche ließen sich nicht gegeneinander ausspielen. ... im Blick auf heute
"Nach eineinhalb Jahren mitunter anstrengender Arbeit an der Mittelfristigen Finanzplanung sehe ich die Synode in einer guten Tradition" und stellte in Aussicht, dass die Synode ohne Arbeitsfelder aufgeben zu müssen, mit geringen Verschiebungen von Schwerpunkten das Sparziel erreichen könne. " Wir werden auch in Zukunft angemessene Lösungen für die besonderen Herausforderungen der Zeit finden und die Gewichte kirchlicher Arbeit auf der Ebene des Kirchenkreises im Gefüge der Prioritäten Diakonie, Bildung, Verkündigung und Sakramentsverwaltung mit guten Argumenten austarieren und mit Herz bei der Sache bleiben."
Auf den kirchlichen Ursprung des Adolfinums blickend, bemerkte Isigkeit, dass Kirche und Schule, so wichtig die Unabhängigkeit der Schule sei, einander bisweilen verloren hätten. Es sei Aufgabe der Kirche, dieses Verhältnis wieder zu vertiefen, so wie es z. B. passiere, wenn GemeindepfarrerInnen an Schulen Religionsunterricht erteilten und so Kirche in der Schule präsent machten. Isigkeit schlug zudem Arbeitskreise vor, in denen ReligionslehrerInnen, die sich oft von ihrer Kirche allein gelassen fühlten, und PfarrerInnen gemeinsam religionspädagogisch arbeiten könnten. Denn ReligionslehrerInnen trügen zur religiösen Sozialisation bei, die in Elternhäusern zunehmend seltener stattfinde.
Hinsichtlich der Finanzen teilte der Superintendent den Synodalen eine erfreuliche Botschaft mit: 2007 sind die Kirchensteuereinnahmen gestiegen. Aufgrund zu erwartender, wenngleich leichter steigenden, Kirchensteuereinnahmen für 2008, können den Gemeinden im kommenden Jahr ein Kirchensteuer-pro-Kopfbetrag von 70 Euro in Aussicht gestellt werden. Da dies nur ein Zwischenhoch sei, sollten die Gemeinden eingeschlagene Sparkurse jedoch nicht verlassen, sondern die zusätzlichen Einnahmen nutzen, Schulden abzubauen und Rücklagen aufzufüllen. Isigkeit empfahl, die "Umstrukturierungen gelassen anzugehen, sie aber nicht auf die lange Bank zu schieben."
In dem Zusammenhang wies Isigkeit auf die Bedeutung des innersynodalen Finanzausgleich an, der auch finanzschwachen Gemeinden im Kirchenkreis ermögliche, ihren Aufgaben nachzukommen. "Die dahinter stehende Solidarität sollten wir nicht aufgeben." Als armer Kirchenkreis gehöre der Kirchenkreis Moers zu den Empfangenden des übersynodalen Finanzausgleichs. “Die Solidarität innerhalb der EKiR steht derzeit nicht in Frage. Es wäre für die Gemeinden des Kirchenkreises allerdings ein nicht zu bewältigendes Problem, wären wir eines Tages auf unser eigenes Finanzamtsaufkommen angewiesen.”
Anschließend wies der Superintendent auf verschiedene Jubiläen und Entwicklungen im Kirchenkreis hin: Die Evangelische Kirchengemeinde Hoerstgen blicke auf 450 Jahre Reformation zurück, Homberg auf 50 Jahre Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Die Kirchengemeinde Moers entwickle derzeit ein Konzept für Citykirchenarbeit und arbeite dafür mit der Kirchengemeinde Asberg zusammen. Neukirchen und Hoerstgen haben einen Vertrag über die pfarramtliche Versorgung geschlossen. Ebenso Rheinberg und Budberg, wo zudem auch die kirchenmusikalische Zusammenarbeit vertraglich geregelt wurde. Hochheide und Essenberg fusionierten Anfang des Jahres zur Gemeinde Essenberg-Hochheide. All das zeige, dass regionale Zusammenarbeit funktioniere und Regionalkonferenzen zur Absprache notwendig seien.
Beim Thema “Soziale Verantwortung und Agenda” erinnerte Isigkeit an die BenQ-Werkschließung in Kamp-Lintfort und lobte die Arbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Lintfort, "die beharrlich an der Seite der Betroffenen stand. Durch Zuhören, Mitmachen, Trost und Gottesdienste." Übrigens habe ein BenQ-Mitarbeiter als Küster bei der Kirchengemeinde einen Arbeitsplatz gefunden.
Der Kontakt von Kirche und Arbeitswelt gehöre, so der Superintendent, zur sozialen Verantwortung. Nachdenklich habe ihn bei einem Besuch der Firma Sachtleben die Feststellung des Unternehmenschefs gemacht, nur etwa die Hälfte der Belegschaft seien Kirchenmitglieder, 50 Prozent gehörten keiner Konfession an. Künftig wird der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt möglicherweise im Essenberger Werk im Rahmen betriebsinterner Fortbildungen ethische Themenfelder anbieten.
Im Zusammenhang mit dem politischen Abendgebet zu "10 Jahre Sozialwort der Kirchen" im September verwies Isigkeit auf die Herausforderungen der sozialen Entwicklungen. "Wir dürfen uns nicht mit der Armuts- und Reichtumsentwicklung in unserem Land abfinden. Erst recht nicht mit der Tatsache, dass sich der soziale Ausschluss, der immer breitere Bevölkerungskreise umfasst, stetig verfestigt." Hinsichtlich des Themas “Schöpfung bewahren”, wies Isigkeit auf die Bedeutung der Schöpfungszeit hin, die jährlich im Kirchenkreis mit Veranstaltungen zum Nachdenken und zu Verhaltensänderungen anregen will.
Einen großen Teil der Rede nahmen die Partnerschaften ein, die "das Profil des Kirchenkreises noch immer prägen." Auch auf eine alte Beziehung zu den Waldensern in Italien wies er hin. In Sizilien kümmern sie sich um gestrandete Flüchtlinge aus Afrika. Es sei Zeit, die Partnerschaft zu beleben, sagte der Superintendent. “Der KSV hat mit 1000 € einen kleinen Grundstock dafür bereitgestellt. Partnerschaft lebt von engagierten Menschen. Solche werden noch gesucht, vorzugsweise mit italienischen Sprachkenntnissen."
Zum Rückblick gehörte auch ein Blick auf Ökumene und die Debatte um die Papstworte. "Ja, es ist herabwürdigend, wenn der Papst den Protestanten das Kirchesein abspricht. Ich kann auch Reaktionen verstehen, in denen die Feier von ökumenischen Gottesdiensten in Frage gestellt wurde, weil viele ökumenisch gesinnte evangelische Christinnen und Christen die Störfeuer aus Rom und die Arroganz der katholischen Amtskirche einfach leid sind." Aber diese Debatte müsse zunächst innerhalb der römisch-katholischen Kirche geführt werden. “Uns muss das nicht interessieren, was der Bischof von Rom sagt. Wir haben keinen Papst und wir brauchen auch keinen. Erst recht nicht, um Kirche zu sein.” Die protestantischen Kirchen gründeten sich auf Jesus Christus und die Bibel. Für die Ökumene vor Ort seien die Papstworte ohne Belang, sie werde nach wie vor gepflegt und eine Entwicklung zum Schlechten sei nicht zu bemerken.
Auch auf die EKD-Handreichung "Klarheit und gute Nachbarschaft" ging er ein. Diese Handreichung soll die evangelische Position im christlich-islamischen Dialog klären. Allerdings ist sie viel kritisiert. Isigkeit erkennt die neue Schärfe im Dialog, sieht darin aber auch eine Chance. "Wir wären über Kopftuchstreit und Antimoscheeprotest hinaus, wenn wir einander zu fragen beginnen: Was glaubst du eigentlich und wie wirkt sich das auf dein Leben und auf unser Zusammenleben aus?" Im Kirchenkreis Moers habe sich die gute Nachbarschaft in einigen Gemeinden zwischen Christen und Muslimen bewährt, zurzeit werde eine christlich-muslimische Veranstaltung im Kirchenkreis vorbereitet.
Zum Thema Kinderbildungsgesetz (KiBitz), dessen Anforderungen an Kindertagesstätten große Flexibilität verlange, zeigte Isigkeit sich erfreut, dass 18 der 22 Träger von Kindertagesstätten im Kirchenkreis Moers einer Interessengemeinschaft beitreten wollen.
In einem letzten Punkt ging Isigkeit noch einmal auf das in der letzten Synode verhandelte Impulspapier der EKD "Kirche der Freiheit" ein. Das habe an Gemeindearbeit sehr hohe Hürden angelegt, “ein Alles oder Nichts: best practice statt schlechter Gemeindearbeit; Leuchtfeuer, statt verglimmender Dochte; Kathedralen gelingender Kirchlichkeit statt schlichte Versammlungsräume einer Kirche in der Fläche.” Mit dem Philosophen Blaise Pascal könne aber gesagt werden, zwischen dem Alles und dem Nichts sei "Etwas". "In unseren Gemeinden bemühen sich Menschen, ehren- und hauptamtlich, das Etwas auszuloten, also mit ihren Gaben und Möglichkeiten am Bau von Gemeinde mit zu arbeiten. Was dabei herauskommt, ist sehr viel."
Damit verwies er auf das große Engagement und die Kraft, die auch von Presbyterinnen und Presbytern gefordert sei, angesichts der materiellen und geistlichen Herausforderungen und bedankte sich bei denen, die - weil sie ausscheiden oder bei der Presbyteriumswahl im kommenden Februar nicht gewählt werden - an Synoden nicht mehr teilnehmen. "Deshalb bedanke ich mich bei Ihnen für die gute Zusammenarbeit während der zurückliegenden vier Jahre. Für alles Mittragen, für manch guten Rat und für Ihr Gebet.”

Nach einer kurzen Aussprache über den Bericht und einer Pause zogen sich die Synodalen in Arbeitsgruppen zurück, um die Berichte der Arbeitsbereiche und Einrichtungen zu besprechen.
Die dortigen Ergebnisse wurden im Plenum vorgestellt, so dass alle einen Eindruck bekommen konnten, was in anderen Gruppen besprochen worden war. Eine AG beschäftigte sich mit Kirchenmusik und bat die Gemeinden darum, sich zu überlegen, was ihnen Kirchenmusik wert ist und was sie bereit wären, dafür zu investieren. Das müsse nicht materielle Wertschätzung sein. Diese Überlegungen sollen gesammelt werden. Eine andere ließ sich vom Demenzberater des Diakonischen Werkes Kirchenkreis Moers über seine Arbeit informieren. Eine dritte Arbeitsgruppe diskutierte über den KDA, der seinen Arbeitsbereich hin zu Erwachsenenbildung ausweitet. Einig war man sich, dass der KDA weiterhin wichtig sei für die Arbeit in Betrieben. Auch die Evangelische Beratungsstelle Duisburg/Moers und ihre Arbeit in Evangelischen Familienzentren wurde gewürdigt.
Auf Kirchenkreisebene sollte eine Verständigung erfolgen, wie sich der Kirchenkreis bei "Kulturhauptstand 2010" einbringt.
Beim Thema Frauenhilfe diskutierten die AG-Teilnehmer, wie sich auch jüngere Frauen besser für die Kreise interessieren ließen, deren Bedeutung herausgestellt wurde. Eine AG beschäftigte sich mit der Situation des theologischen Nachwuchses. Zur Konfirmandenarbeit gab es die Nachfrage, wie man erreichen könnte, dass die höheren Schulen die Dienstag-Nachmittage für Konfirmandenunterricht freihalten, wie es früher üblich war. Das jüdisch-christliche Gespräch war Thema einer weiteren Arbeitsgruppe: Die jüdisch-christliche Gesellschaft hat jetzt 20jähriges Bestehen. Ein Thema waren auch Regionalversammlungen, die seit zwei Jahren im Kirchenkreis etabliert sind. Die Zusammenarbeit sei sehr unterschiedlich intensiv, vermerkten die Synodalen, es sei aber auch für die Zukunft eine verstärkte Zusammenarbeit nötig.
Anschließend stand ein Bericht zur Missionarischen Volkskirche auf dem Programm. Hintergrund ist die Erfahrung, dass das Wissen um die Mitte des christlichen Glaubens sowie eine erlebte Glaubenspraxis abnehmen. Was vor 20 Jahren noch selbstverständlich als Allgemeinwissen vorausgesetzt werden konnte, ist heute Spezialwissen: Im September vergangenen Jahres hat der Arbeitskreis Missionarische Kirche (AMK) auf Bitte von Präses Nikolaus Schneider ein Hearing veranstaltet, das die Schrift ”missionarische Volkskirche” dokumentiert. In einer Einführung ermutigte Pfarrer Tobias v. Boehn, einer der beiden Synodalbeauftragten für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste, die Synodalen, sich in ihren Presbyterien unter folgenden Fragestellungen mit dieser Dokumentation zu beschäftigen: Wie würden wir als Presbyterium auf die in der Schrift genannten Fragen antworten? Wie sieht missionarische Kirche in unserer Gemeinde ganz konkret aus? Wie könnten wir den missionarischen Akzent in unserer Gemeinde stärken? Dieses Gespräch solle bewusst machen, welche missionarische Arbeit in den Gemeinden bereits geleistet werde und welche notwendig sei.
Auch für das Buch "Inspiriert leiten" warb Tobias von Boehn: Er soll Verantwortlichen in den Gemeinden Grundkenntnisse und Handwerkszeug zu den Themen "Leitung", "Projektentwicklung" und "Veränderungsprozesse initiieren" an die Hand geben.

Vom Besuch in Ruanda anlässlich der 100-Jahr-Feier der Église Presbyteriènne Rwanda (EPR) berichteten Gisela Stoldt und Helmut Keiner, beide im Missionsausschuss des Kirchenkreises Moers. Mit der EPR verbindet den Kirchenkreis Moers eine 20jährige Partnerschaft. Die partnerschaftliche Arbeit mit Moers war dort immer wieder sichtbar, etwa bei einer Schule, die in Eigenarbeit und mit Unterstützung der Niederrheiner errichtet wurde. Der konkrete Festakt war groß, mehr als 10.000 Personen feierten in einem Stadion. Zum offiziellen Programm des Jubiläums habe auch der Besuch der nationalen Gedenkstätte im Ortsteil Gisozi gehört: Beim Völkermord an den ruandischen Tutsi vom April bis Juli 1994 starben etwa 800.000 Menschen.
Über die Situation im Land und die Bedeutung der EPR berichtet Pfarrer Keiner: Die wenigen überlebenden Tutsi-Bauern können nicht mehr auf ihren Parzellen arbeiten, weil die wenigen Überlebenden genau wissen, wer die Familien umgebracht hat, und sie deshalb unbequeme und gefährdete Zeugen sind. Deswegen ziehen sie in die Städte. Dort sind auch die Tutsis aus den Nachbarländern hingezogen. Das heißt, es gibt wieder eine Sortierung "Stadt/Land" zwischen Tutsi und Hutu. Das bildet ein Entwicklungshemmnis, denn aus der Stadt fließt kein Geld in die Warenwirtschaft mit den Dörfern, berichtete der Neukirchener Gemeindepfarrer. Ein Täter-Opfer-Ausgleich ist durch Dorf- und Stadtteillaiengerichte organisiert worden. Das hat dazu geführt, dass die Gefängnisse sich geleert haben. Das führt bei Begegnungen zu Retraumatisierungen der Opfer. Auch wenn 13 Jahre vergangen sind, sind die Wunden noch sehr frisch. Die ruandischen Partner sind aufmerksam und darauf bedacht, die Versöhnungsarbeit zu unterstützen.
Der erste Tag der Synode endete gegen 22.40 Uhr mit dem Lied "Segne und behüte" und dem Segen.