
"Ist die kleine Anna da?" Der Weihnachtsmann brauchte eine kräftige Stimme. Denn mehr als 130 Kinder blickten ihn erwartungsvoll an. Ihre Eltern hatten sie mitgebracht, so war der Raum des Katholischen Gemeindehauses, in dem auch die Tafel ökumenisch stattfindet, voll besetzt und entsprechend laut musste der Weihnachtsmann rufen, um bis in den letzten Winkel gehört zu werden. Und dann kam die kleine Anna nach vorne und freute sich über das Paket, das ihr der Weihnachtsmann überreichte. Denn viele Geschenke hat die kleine Anna nicht zu erwarten: Sie kommt aus einer der Familien in Rheinberg, die die Armut getroffen hat.
Die Idee, gemeinsam mit anderen Institutionen Rheinberger Kindern in Armut ein Weihnachtsfest mit Geschenken zu ermöglichen, hatte die AOK. Ansprechpartner für sie war Bernhard Bauguitte, Leiter der Dienststelle Rheinberg des Diakonischen Werkes Kirchenkreis Moers. "Die Aktion war von großer Mithilfe getragen", erzählt Bauguitte. "Sogar eine Grundschule aus Budberg neben einzelnenn Schulklassen anderer Schulen hatte sich beteiligt und die jungen Lernenden haben von ihrem Taschengeld abgegeben. Die evangelische und die katholische Kirchengemeinden Rheinberg trugen das Weihnachtsfest mit. Die Frauenhilfe der Ev. Kirchengemeinde hat ebenfalls einen ansehnlichen Betrag gespendet, die Veranstaltergemeinschaft Spektakel hat fast 550 Euro aufgebracht, in der letzten Ratssitzung der Stadt Rheinberg wurde durch ein Ratsmitglied gesammelt und Privatpersonen haben mitgemacht. Nicht zu vergessen die Unterstützung der freiwilligen Feuerwehr Millingen. Dies zeigt, dass man Solidarität vor Ort ein Stück weit leben kann".
Der Nachmittag richtete sich an Kinder bis 14 Jahre ungeachtet des Glaubens, der Konfession oder der Herkunft – wie ja auch die Armut keine Unterschiede kennt. "Fast alle, die hier sitzen, kommen zur Tafel", berichtet Bauguitte und erzählt, dass am Vortag etwa 200 Männer, Frauen und Kinder da waren, um Lebensmittel abzuholen. "Das Weihnachtsfest für die Kinder", resümiert der Dienststellenleiter, "läuft bereits im vierten Jahr. Doch damals, im ersten, waren es nur 40 Kinder, für die Päckchen ausgegeben werden mussten."