
Ich gehöre zur Nachkriegsgeneration, zu denen, die in der „Gnade der späten Geburt“ aufwachsen durften, aber dennoch Kriegsbeschädigt waren, weil der Vater versehrt aus dem Krieg gekommen ist.
Versehrt an Leib und Seele, als Jugendlicher verführt, nach Russland befohlen, zur Befreiung der 6. Armee in Stalingrad.
„Vorwärts, wir marschieren zurück…“, dieser zynische Ausruf ist mir noch aus den Schilderungen meines Vaters im Ohr.
Als er 14 Jahre alt war begann der Krieg und mit 18 Jahren war er mittendrin…
Meine Mutter, ebenfalls ein Opfer des Krieges – mit 11 Jahren aus Ostpreußen mit ihrer Familie geflohen…unvergesslich ihre Schilderungen, wie ihr Zug von russischen Flugzeugen angegriffen wurde…wie sie ihre Familie aus den Augen verlor um sie dann glücklich wieder zu finden…
Welche entsetzlichen Bilder haben sich in ihren Erinnerungen festgesetzt…
„Gott des Friedens, heute vor 70 Jahren haben unsere Großväter und Väter, unsere Verwandten, dem Befehl Hitlers Folge geleistet und haben die Grenzmarkierungen des polnischen Staates unrechtmäßig zerstört und durchbrochen. Sie haben in kurzer Zeit den polnischen Staat ausgelöscht und unbeschreibliches Leid über die polnische Nation heraufgeführt. Wir beklagen die Vernichtung des polnischen Judentums, die Errichtung der Vernichtungslager auf polnischem Boden, die Entwürdigung und Tötung von Menschen.“ So oder ähnlich könnte es im Klagegebet am 1. September 2009 klingen. Vor 70 Jahren hatte um 5.45 Uhr mit dem deutschen Überfall auf Polen der zweite Weltkrieg begonnen.
Mit Gottesdiensten genau zu dieser Uhrzeit laden mehrere Ev. Kirchengemeinden des Kirchenkreises Moers zu Gedenkgottesdiensten am 1. September ein.
wird des Kriegsbeginns um 5.45 Uhr gedacht.
Im Verlauf des sechsjährigen Krieges starben 60 Millionen Menschen, unzähliges Leid brachte er auch den Überlebenden. Mit dem Kriegsbeginn gerieten die Gräueltaten der Nazis an den Juden Europas in eine neue Dimension. 6 Millionen Männer, Frauen und Kinder jüdischen Glaubens ermordeten die Nationalsozialisten. In den Konzentrations- und Vernichtungslagern starben zudem Zugehörige verschiedener Völker und Volksstämme, sexueller Minderheiten, politisch Verfolgte.
Wie wichtig wurde mir in meiner weiteren Entwicklung die Haltung, dass derartiges NIE WIEDER jungen Generationen geschehen darf; dass sie für faschistisches Gedankengut, für Rassewahn und Blut- und Boden-Ideologie nicht mehr empfänglich sind.
Dazu gehört ERINNERN – erinnern an die Juden-Pogrome und den Holocaust, erinnern an den Kriegsbeginn.
Dazu gehört aber auch, eine Kultur des Friedens zu entwickeln.
Jugendliche zu gewinnen, sich ihrer Verantwortung für die Gesellschaft bewusst zu werden und für ein friedliches Zusammenleben sich einzusetzen.
Und das beginnt schon im Kleinen, im Alltag, in der Schule, in der Familie.
In Auschwitz hat uns ein Überlebender gesagt:
„Ihr tragt für das hier keine Schuld, aber ihr habt die Verantwortung, dass so etwas NIE WIEDER geschieht.“
Lutz Zemke, Leiter Jugendreferat Kirchenkreis Moers