
Um 5.45 Uhr läuteten die Glocken der evangelischen Stadtkirche Moers. Fast 50 Personen folgten der Einladung zum Gedenkgottesdienst der Jugendkirche fish ‚n' ships und der Kirchengemeinde Moers. Vor 70 Jahren um diese Uhrzeit hatte der zweite Weltkrieg mit dem Überfall Deutschlands auf Polen begonnen. Um Schuld und Verantwortung ging es in der Predigt: „Habe ich das Recht, in der zweiten, dritten oder vierten Generation darüber zu urteilen?“ fragte Lutz Zemke, Leiter des Jugendreferates Kirchenkreis Moers und fasste zusammen, dass es neben den verführten Jugendlichen, die sich haben blenden lassen, die in eine Maschinerie geraten seien, aus der es kein Entrinnen gab, weil die Todesstrafe drohte, auch die Täter gab, „die sich im Blut- und Boden-Rausch der Nazi-Ideologie ausgelebt haben, in deren Weltbild nur zu gut das Bild des Herrenmenschen und des Untermenschen hinein passte.“ Aus der Bibel resultiere, dass die Nachgeborenen in der Verantwortung stehen für eine Zukunft des Friedens. „Dieser Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, er ist umfassend und basiert nicht auf Abschreckung und Waffengewalt, sondern auf Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.“
Zu Gottesdiensten hatten auch andere Evangelische Kirchengemeinden des Kirchenkreises Moers eingeladen. In der evangelische Kirchengemeinde Essenberg-Hochheide versammelten sich 43 Besucherinnen und Besucher zur frühen Stunde. Pfarrer Johannes Berghaus stellte in den Mittelpunkt, dass „wir in Verantwortung unseren Kindern und Gott gegenüber stehen.“ Die Kollekte von fast 90 Euro ging an das Friedensdorf Oberhausen. In der Homberger Rheinkirche berichtete Pfarrer Hans-Joachim Barkenings als Zeitzeuge, wie er den 1. September 1939 erlebt habe. Auch hier waren 45 Menschen gekommen, darunter viele Jugendliche.
10 Minuten Sterbeläuten und ein 25 minütiges Friedensgebet waren in der Schlosskapelle in Ossenberg, in St. Anna in Rheinberg, in den Ev. Kirchen in Rheinberg, Orsoy und Budberg zu hören. Am Abend soll noch ein ökumenischer Friedens- und Gedenkgottesdienst in der St.-Anna-Kirche, die dort steht, wo während des Krieges ein Kriegsgefangenenlage war, an das Unrecht des Krieges erinnern.