
Im August legte die Evangelische Beratungsstelle Duisburg / Moers nicht nur ihren Jahresbericht für 2008 vor, sondern feierte auch ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Gottesdienst und einem Festakt in Duisburg-Hamborn.
In drei Jahrzehnten verzeichnete die Beratungsstelle 28.000 „Fälle“, es kamen Menschen aller Altersstufen und Lebenslagen, die sich mit Erziehungs-, Familien- und Partnerschaftsproblemen und in persönlichen Lebenskrisen an die Beratungsstelle wandten. Hinzu zu rechnen sind 6.000 schwangere Frauen, die seit dem Start der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung im Jahr 2001 hier Hilfe suchten.
Als „unverändert intensiv“ beschreibt die Leiterin der Beratungsstelle, Diplom-Psychologin Ulrike Stender, auch im Jahresbericht für 2008 die Nachfrage in der Erziehungs-, Familien-, Ehe/Partnerschafts- und Lebensberatung an den beiden Standorten Duisburg und Moers. „Auch 2008 gingen die Anfragen über das hinaus, was die Beratungsstelle angesichts der begrenzten personellen Ressourcen leisten konnte, so dass längere Wartezeiten in Kauf genommen werden mussten.“ Im linksrheinischen Teil, also in Moers, Duisburg/West, Rheinberg, Kamp-Linfort, Neukirchen-Vluyn etc. waren es konkret 463 Fälle, mit denen sich die BeraterInnen 2008 beschäftigten. 192 schwangeren Frauen in schwierigen Lebenslagen oder im Schwangerschaftskonflikt konnten sie ebenfalls helfen.
Deutlich spürbar werde die Forderung vom Land, die Arbeit auf Familien, die mit besonders schwierigen Problemen zu kämpfen haben, zu konzentrieren und Präventionsmaßnahmen anzubieten. Dazu gehöre etwa, in Familienzentren zu beraten, berichtet die Diplom-Psychologin. Dies schmälere zum Beispiel die Beratungsmöglichkeiten für Erwachsene ohne Kinder, denn die finanziellen Möglichkeiten seien nicht mit den Aufgaben gewachsen. Gleichwohl begrüßt die Beratungsstellenleiterin die Aufmerksamkeit des Landes für die Probleme in „jungen“ Familien: „In den Sprechstunden in den Familienzentren stoßen die Fachkräfte vielfach auf sehr belastete, erziehungsunsichere oder überforderte Eltern und auf Kinder mit Entwicklungsdefiziten und erheblichen Verhaltensproblemen“, berichtet Ulrike Stender. Diese Eltern und Kinder im Vorschulalter benötigten oft umfassende psychologische und therapeutische Hilfen, wie sie nur in der Beratungsstelle selber möglich sind. Die Präventionsmaßnahmen greifen also, erfordern aber einen Mehrbedarf an Hilfen.
Probleme und steigenden Beratungsbedarf gibt es auch weiterhin bei Kindern jenseits des Vorschulalters, etwa bei Schulübergängen und in der Pubertät, aber auch durch andauernde familiäre Belastungen wie Arbeitsplatzunsicherheit, Armut, Scheidung. Die Konzentration auf Familienzentren geht daher auch zulasten von Familien mit älteren Kindern und Jugendlichen, verbunden mit längeren Wartezeiten.
Deshalb appelliert die Beratungsstelle an die Landespolitik, „dafür Sorge zu tragen, dass das personalintensive präventive Engagement der Beratungsstellen in den Familienzentren durch eine angemessene zusätzliche Förderung unterfüttert wird und damit als kontinuierliches Angebot gesichert werden kann.“
Erfreulich ist, dass die Gruppenangebote gut wahrgenommen werden. Etwa das Kölner Elterntraining für Väter und Mütter von Kindern mit AD(H)S. Es hilf ihnen, das Gefühl des Überfordertseins abzubauen und als Eltern wieder handlungsfähig zu werden. Zu den Gruppenangeboten gehört auch ein Training für Paare, miteinander so kommunizieren zu lernen, dass Konflikte ausgesprochen werden können ohne zu eskalieren.
Und schließlich gilt es auch einen Dank zu sagen an den ausscheidenden Kuratoriumsvorsitzenden Pfarrer Jan Christofzik.
Links und Tipps:
Die Evangelische Beratungsstelle ist in Moers unter der Telefonnummer 02841/9982600 und in Duisburg unter der Telefonnummer 0203/990690 zu erreichen; im Internet unter www.ev-beratung.de. Ein Fest zum dreißigjährigen Bestehen wird es auch im linksrheinischen Standort Moers Anfang kommenden Jahres geben.