Was gehört nicht auf den Abendmahlstisch? - Superintendent eröffnete Calvin-Ausstellung / Auseinandersetzung mit reformierten Wurzeln

Ebenso anschaulich wie lehrreich eröffnete Superintendent Ferdinand Isigkeit die  Ausstellung über den großen Reformator Johannes Calvin. "Was gehört nicht auf den Abendmahlstisch?", fragt er also am Reformationstag, 31.Oktober 2009 zur Ausstellungseröffnung in der ev. Kirche Essenberg-Hochheide. "Erstens: Die Blumen." Nimmt sie und tut sie weg. Kerzen gehören dort auch nicht hin." Zuletzt liegt nur noch die Bibel da, denn auf Gottes Wort allein soll sich der Gottesdienst konzentrieren, kein Schmuck soll ablenken. Die Bibel ist wie eine Brille, durch die die Wahrheit sichtbar wird, erklärt Isigkeit, bezugnehmend auf ein Zitat Calvins. Dann verweist er auf die Hochheider Kirche, in der keine Bilder hängen. Und die tagsüber sehr hell ist, weil Licht von außen hineinstrahlt: "Das Licht verbindet uns mit der Welt draußen, für die wir Verantwortung übernehmen sollen." So werden nach und nach Calvins Lehren auch äußerlich sichtbar. Dann ist die Ausstellung eröffnet und die Besucherinnen und Besucher können sich anhand der 14 Tafeln über Leben und Werk, aber auch über die Schattenseiten des Genfer Theologen, der vor 500 Jahren geboren wurde, informieren.

Nicht in allem blind folgen

Vorhergegangen war ein Gottesdienst, auch dieser besonders. Vorbereitet hatte ihn der Bibelkreis. Die Mitarbeitenden stellten dem Reformator in einem gespielten Dialog kritische Fragen: "Wie konnten Sie, Calvin, der die Einhaltung der 10 Gebote fordert, für die Hinrichtung des Ketzers Servet sein?" Der gespielte Calvin rechtfertigte sich nicht, aber argumentierte, es sei Pflicht, Gotteslästerer, die die Seele töten, genauso zu bestrafen, wie Mörder, die den Leib töten. Calvin sprach ganz als Kind seiner Zeit. Der Bibelkreis zeigte so, dass man ihm nicht in allem blind folgen dürfe. Andererseits stellte der Bibelkreis das soziale Engagement Calvins dar. Das sei auch heute noch von Bedeutung, etwa, dass Arbeitgeber ihren Untergebenen nicht um den Lohn betrügen sollten, dass von Armen keine Schuldzinsen genommen werden dürften etc. Schließlich erfuhren die Gottesdienstbesucher, dass die Grundlagen der evangelisch-reformierten Kirche von Calvin stammen.

Predigt im Dialog

Besonders gestaltet war auch die Predigt, denn sie wurde von zwei Pfarrern im Dialog gehalten. Matthias Immer und Johannes Berghaus stellten die Verdienste Calvins für den Glauben dar, setzten sich aber auch kritisch mit dem Reformator auseinander.

Voll besetzte Kirche

Dem festlichen Gottesdienst, der sich mit seinen eigenen Wurzeln auseinander setzte, und der Ausstellungseröffnung folgten mehr als hundert Besucherinnen und Besucher in einer voll besetzten Kirche. Sie hörten auch den Chor der Ev. Kirchengemeinde Essenberg-Hochheide unter der Leitung von Dorothee Kruchen-Berns.

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(Pressefererat | 2009-11-03)Diese Nachricht drucken