Jeden Tag aufs Neue kämpfen - Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes arbeitet seit 25 Jahren

Es war im November 1984, als der erste Mitarbeiter der neu gegründeten Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes Kirchenkreis Moers in das kleine Büro unter dem Dach an der Moerser Seminarstraße zog.

Heute, 25 Jahre später, hat sich die Belegschaft mehr als verzehnfacht und die Beschäftigten sind auf alle sechs Dienststellen des Diakonischen Werkes verteilt. Sie sind in Moers, Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort, Rheinberg, Homberg und Rheinhausen tätig. „Durch die Aufteilung auf die Dienststellen sollte die Schuldnerberatung näher zu den Menschen vor Ort rücken“, erklärt Mitarbeiterin Eva Zoder, die seit 1987 für den Arbeitsbereich des Diakonischen Werkes tätig ist.

1000 Beratungen pro Jahr

Ursprünglich ist die Schuldnerberatung in der Region als diakonische Initiative in der evangelischen Kirche entstanden, vor Ort besonders durch Initiative des damaligen Diakoniepfarrers und jetzigen Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Heute wird die Schuldnerberatung weitgehend durch den Kreis Wesel finanziert.

Nicht nur die Belegschaft ist binnen 25 Jahren gewachsen: Der Andrang ist groß. Aus den zehn Fällen des Startjahres sind über 1000 Beratungen pro Jahr geworden. 80 Prozent derjenigen, die sich an die Schuldnerberater wenden, verweist nicht das Arbeits- oder Sozialamt an die Spezialisten, sondern die Ratsuchenden haben von dem Angebot des Diakonischen Werkes durch Mund-zu-Mund-Propaganda ehemaliger Klienten erfahren. Und die Warteliste ist lang. Trotzdem gelingt es den Beratern die Wartezeiten vergleichsweise gering zu halten. Wer sich derzeit bei der Schuldnerberatung meldet, für den geht es im Februar los. Doch trotz der hohen Nachfrage hält das Team Raum frei für Fälle, in denen schnelle Krisenintervention nötig ist. Zum Beispiel, wenn bei einer Lohn- oder Kontopfändung Soforthilfe geleistet werden muss.

Miete, Lebensmittel und Strom sicherstellen

Bei alldem legen die Helfer Wert auf ganzheitliche Beratung. „Das heißt, wir betrachten den Menschen hinter den Schulden und schauen welche individuelle Situation oder welche Probleme zu der Verschuldung beigetragen haben“, sagt Berater Gerhard Duda, der seit knapp 20 Jahren als Schuldnerberater für das Diakonische Werk tätig ist. Doch vor allem geht es ganz pragmatisch um die Sicherung der Existenzgrundlage. Das bedeutet, dass die Berater als erstes sicherstellen, dass Miete, Lebensmittel und Strom bezahlt werden können.

Gründe für Finanznöte

Während all der Jahre gleich geblieben sind die Gründe, warum die Betroffenen in Finanznöte geraten. Trennung, Arbeitsplatzverlust, eine Suchterkrankung oder psychische Schwierigkeiten stecken am häufigsten dahinter. Die Finanznot kann jeden treffen: „Wer seinen Job unerwartet verliert und einen Kredit laufen hat, kann schnell in Schwierigkeiten geraten“, weiß Duda. Das gleiche gelte auch für diejenigen, die von Kurzarbeit betroffen sind und deshalb plötzlich weniger Geld als gewohnt zur Verfügung haben, so der Berater.

1980 schon einmal in ähnlicher Form

Eine Situation, die es in den 1980er Jahren schon einmal in ähnlicher Form gab. Damals waren es die Umstrukturierungen im Bergbau und der damit verbundene Anstieg von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in der Region, die die Zahl der Ratsuchen wachsen ließ. Heute sind es die Auswirkungen der Finanzkrise, die die Schuldnerberater beschäftigen. „Die kompletten Auswirkungen der Krise sind hier bei uns noch nicht angekommen“, sagt Duda. Der Diplom-Sozialarbeiter schätzt an seiner Tätigkeit als Schuldnerberater, dass sich das Leben als solches mit allen Facetten abbildet. „Faszinierend ist es, die positive Entwicklung der Ratsuchenden schon im ersten Gespräch miterleben zu können.“ Bei aller Arbeitsbelastung durch die Vielzahl der Fälle, die bearbeitet werden müssen, sei die Faszination für ein Erlebnis geblieben, das die Schuldnerberater jeden Tag haben. Dudas Kollegin Zoder nickt zustimmend und erklärt, was gemeint ist: „Die Leute, die hier herein kommen, sind am Boden zerstört und gehen nach der Beratung gestärkt und mit neuem Mut wieder raus.“ Dafür lohnt es sich für die 45-Jährige zu kämpfen, jeden Tag aufs Neue.

Das Angebot der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes Kirchenkreis Moers ist kostenlos

Links und Tipps:

  • Die Telefonnummern der Schuldnerberater in den Dienststellen des Diakonischen Werkes:

    • Moers 02841 100 165
    • Homberg 02066 99740
    • Kamp-Lintfort 02842 928420
    • Neukirchen-Vluyn 02845 21653
    • Rheinberg 02843 90363 0
    • Rheinhausen 02065 9087 0
  • Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers
  • Schuldnerberatung

(Pressefererat | 2009-11-29)Diese Nachricht drucken