Besinnliche Weihnachten? - Weihnachtsgruß von Superintendent Ferdinand Isigkeit

Jedes Jahr vor Weihnachten die gleiche Hektik, weil Weihnachten alle Jahre wieder ganz plötzlich und unerwartet kommt.
Geht es Ihnen auch so? Man nimmt die Hektik der Vorweihnachtszeit bis in den heiligen Abend mit. Bis kurz vor dem Fest ist eine stattliche To-Do-Liste abzuarbeiten. Und die Zeit danach wirft ihre Schatten voraus: die Pflichten an den Feiertagen.

Aber die Unruhe an Weihnachten ist möglicherweise nicht nur negativ. Vielleicht tun wir damit sogar genau das, wovon die Weihnachtsgeschichte uns auch erzählt, von „eiligen“ Hirten nämlich. Stellen Sie sich vor, die Hirten wären sitzen geblieben, als „die Engel von ihnen gen Himmel fuhren“, nachdem sie ihnen die frohe Botschaft verkündet hatten: „Euch ist heute der Heiland geboren“. Stellen Sie sich vor, die wären sitzen geblieben auf ihrem Hirtenfeld, an ihrem Lagerfeuer, hätten sich noch eine Kerze angezündet, etwas Weihnachtsgebäck genascht, das Weihnachtsoratorium vom CD-Spieler gehört und die kleinen Hirten hätten noch ein Gedichtchen aufsagen müssen und alle hätten es sich unter ihren warmen Decken schön gemütlich gemacht.

Besinnliche Weihnachten? Vor lauter Besinnlichkeit hätten die Hirten das Entscheidende in ihrem Leben verpasst. Sie aber wurden unruhig. Es hielt sie nichts mehr am warmen Feuer. Sie ließen alles stehen und liegen und machten sich „eilend auf den Weg“, so heißt es im Lukasevangelium. Sie wollten die Geschichte mit eigenen Augen sehen, die da geschehen ist, die ihnen der Herr kundgetan hatte. Die machten keinen gemütlichen Weihnachtsspaziergang. Die rannten los. Wären sie sitzen geblieben und hätten sich nicht „eilend“ aufgemacht zum Stall, sie hätten das Kind in der Krippe, ihren Heiland, niemals zu Gesicht bekommen. Und sie hätten nicht wieder umkehren können als veränderte Menschen und Gott loben und preisen können „für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war“.

Diese Aufbruchbereitschaft gehört zu Weihnachten dazu und ein große Unruhe.

Aber es soll keine To-Do-Listen-Hektik sein. Die weihnachtliche Unruhe ist die gesegnete Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen und aufzubrechen, damit wir Jesus begegnen, dem Heiland, dem Friedefürsten, der jeden Tag in unser Leben kommen will und in unsere friedlose Welt.

In diesem Sinne: keine Hektik!

Aber: unruhige Weihnachten!

(Isigkeit | 2009-12-23)Diese Nachricht drucken