
Seine Lieblingstätigkeit als Pfarrer hat Helmut Oelschlägel schnell benannt: „Die Gottesdienste“. Darunter besonders diejenigen geistlichen Feiern, die von zahlreichen Vorbereitenden gestaltet und so zu etwas Außergewöhnlichem gemacht werden. Davon hat es in den 22 Dienstjahren, die der Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Lintfort im Pfarrbezirk 4 verbrachte, viele gegeben. Die regelmäßigen Gottesdienste mit den Kindern des „Regenbogen“, der Kindertagesstätte der Kirchengemeinde, die Kinder, Eltern und Kita-Mitarbeitende zusammen vorbereiteten, die Schulgottesdienste in den beiden Grundschulen des Bezirks, die Schüler und Lehrer mit organisierten. Dazu die „Gottesdienste für Alt und Jung“, die zusammen mit dem Kindergottesdienst gestaltet wurden und die Mirjamgottesdienste des Frauenkreises der Gemeinde. Eine aktive Art der Gottesdienstgestaltung, die sich der Pfarrer stets Zeit kosten ließ.
Eine Bereitschaft, die der Pfarrer aus seinen frühen Dienstjahren mit an den Niederrhein gebracht hat. 15 Jahre lang tat er Dienst im hessischen Ehringshausen. Dort predigte der junge Pfarrer vor zum Teil sehr kritischen Zuhörern. „Meine Predigten standen ständig inhaltlich auf dem Prüfstand“, erinnert er sich. „Das hat mich geprägt. Wahrscheinlich lege ich heute deshalb auch so viel Wert auf die Gottesdienste.“
Was Helmut Oelschlägel außerdem wichtig war? Das dürften vor allem diejenigen Gemeindeglieder wissen, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Trauerfall zu beklagen hatten. „Dafür habe ich mir ganz viel Zeit genommen“, sagt der Pfarrer. Nach Trauergesprächen plante er zum Beispiel keine direkten Anschlusstermine, um in Ruhe als Gesprächspartner da zu sein. „Es war mir wichtig, dass die Beerdigungsansprachen sehr persönlich gehalten sind.“
Zeit investierte Oelschlägel auch in Aufgaben, die über die Grenzen der Kirchengemeinde hinaus wirkten. Zum Beispiel kümmerte er sich in den Jahren 2001 bis 2005 als Synodalbeauftragter für Tageseinrichtungen für Kinder und Vorsitzender des synodalen Ausschusses für Kindertagesstätten um die Geschicke der Kindertagesstätten im Kirchenkreis Moers. Zusammen mit der zuständigen Referentin half er den Einrichtungen sämtliche Arbeitsabläufe unter die Lupe zu nehmen. Herausgekommen ist ein Qualitätshandbuch, das bis heute gilt und ständig aktualisiert wird. „Eine schöne Zeit“, sagt der Pfarrer. Seine Leidenschaft für gute Predigten gab er sechs Jahre lang an die Prädikanten des Kirchenkreises Moers weiter. Er begleitete die Laienprediger und bot ihnen die Möglichkeit zum Austausch an.
Jetzt ist der Umzug aus dem Kamp-Lintforter Pfarrhaus in das Haus der Schwiegereltern in Korschenbroich fast geschafft. Dort will er zusammen mit seiner Frau Eva-Maria im Ruhestand leben. Als Pfarrfrau übernahm sie tragende Aufgaben in der Gemeinde. Die Leidenschaft für den Gottesdienst scheint sie zu teilen: Sie organisierte den Kindergottesdienst in der Kirchengemeinde. „Ohne sie gäbe es den Kindergottesdienst so wie er heute existiert nicht“, so der Ehemann.
Superintendent Ferdinand Isigkeit verabschiedet Pfarrer Helmut Oelschlägel am 30. Mai in einem Gottesdienst in der Kreuzkirche. Geisbruchstraße, Kamp-Lintfort. Beginn ist um 11 Uhr.