Sommersynode 2010, erster Tag - Ein besonderer Gottesdienst und die Begriff Mission und Volkskirche

Das dürfte so manchen der Passanten, die am Freitagnachmittag an der Hombergerstraße 350 vorbei liefen, dann doch gewundert haben. Gemeinsam einen Kanon singend verließen nach und nach etwa 170 Besucherinnen und Besucher die evangelische Kirche Moers-Scherpenberg. Sie versammelten sich auf dem Platz vor dem Gotteshaus, sprachen Fürbitten, beteten und feierten gemeinsam das Abendmahl. Und das steckte hinter dem ungewohnten Anblick:
Mit einem gemeinsamen Gottesdienst begann der evangelische Kirchenkreis Moers am späten Nachmittag des 28. Mai seine Sommersynode. Zu der Tagung treffen sich die Abgesandten der 28 Kirchengemeinden des Kirchenkreises Moers zweimal im Jahr, um gemeinsam über die Geschicke des Kirchenkreises zu beraten und Entscheidungen zu treffen. Verantwortlich für das Szenario vor der Kirche waren Konfirmandinnen und Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde Moers und die Jugendkirche fish 'n' ships. Sie hatten den Gottesdienst vorbereitet und sich für die Gestaltung manches ausgedacht, was von den üblichen Gottesdiensten abweicht. Darunter das Abendmahl unter freiem Himmel, bei dem mit weißen Tischdecken geschmückte Tische als Abendmahlstische dienten.
Die Kollekte aus dem Gottesdienst war bestimmt für die Diakoniestation in Sluzk / Weißrussland. 620 Euro kamen zusammen.

Im Anschluss konstituierte sich die Synode im benachbarten Gemeindehaus. Das Thema der Synode lautete „Missionarisch Volkskirche sein.“ So heißt ein Leitbild, das die Rheinische Landeskirche Anfang des Jahres beschlossen hat. Die Synodalen wollten dieses Leitbild während ihrer Synode diskutieren.
124 Synodale, außerdem Mitglieder mit beratender Stimme und Gäste waren gekommen.

Mission heißt auch Akzeptieren und Dialog

Grußworte sprachen Kirchenrätin Christine Busch von der Rheinischen Landeskirche, der Superintendent des partnerschaftlich verbundenen ostdeutschen Kirchenkreises Oderbruch, Roland Kühne, sowie der Superintendent des benachbarten Kirchenkreises Kleve, Hans Joachim Wefers.
Christine Busch überbrachte Grüße von der Kirchenleitung, auch von Präses Nikolaus Schneider. In ihrem Grußwort beleuchtete sie das Thema "Missionarisch Volkskirche sein" von einer anderen Seite als im Leitbild der Landeskirche. In Ballungsräumen wie Düsseldorf gingen mehr Menschen in Gottensdienste von Migrantengemeinden, als in landeskirchliche Gottesdienste. "Es geht also bei missionarischer Volkskirche nicht nur um die Kerngruppen und die treuen Kirchenfernen, sondern auch darum, authentischen Glauben bei kulturell und ethnisch anderen zu akzeptieren und wertzuschätzen, sich offen zu halten für Dialog, verbindliche Kooperation und für eigene Veränderung."

Kirche fester Bestandteil des Notfallprogramms

Auch Roland Kühne, Superintendent des Kirchenkreises Oderbruch, sprach ein Grußwort. "Volkskirche sind wir schon lange nicht mehr. Unser Augenmerk gilt einer vergleichsweise kleinen Gruppe von 20 Prozent evangelischer Christen", so Kühne. Trotzdem stellt diese Zahl die Bedeutung der Kirche auch nicht richtig dar, gerade in diesen Tagen, in denen die Oderflut die Region bedrohe, sei das besonders deutlich. Sollten die Dämme nicht halten, müsste der Superintendent die Rückreise antreten. Denn im Oderbruch sind die Kirchen fester Bestandteil des Notfallprogramms. "Viele Gemeinden bei uns besitzen keine Sirenen mehr, diesen Zweck müssen die Kirchenglocken erfüllen." Weiteres Beispiel dafür, was Volkskirche im Oderbruch bedeute, sei der von der dortigen Kreissynode beschlossene Protest gegen die Pläne eines Energieunternehmens, unter der Region Oderbruch Ablagerungsstätten für CO2 einzurichten. Wie schon früher sei die Kirche fest mit der Bürgerbewegung verbunden.
Außerdem überbrachte Kühne den Dank des Kirchenkreises für finanzielle Unterstützung aus dem Kirchenkreis Moers für den Bau eines evangelischen Kirchengartens in Seelow. Der werde jetzt durch einen Neubau erweitert.

Attraktiv und einladend

Hans-Joachim Wefers, Superintendent des Kirchenkreises Kleve, nutzte den Besuch bei der Synode des Nachbarkirchenkreises, um sich von den Erfahrungen der Beschäftigung mit "Missionarisch Volkskirche sein" anregen zu lassen. "Wir werden das Thema bei einer der nächsten Synoden haben", sagte der Superintendent. Außerdem ging es Wefers um Grundsätzliches: " Die Frage, wie wir unseren Glauben leben können, damit wir für andere anziehend, attraktiv und einladend werden."

Landeskirchlichliche Ebene: Glaubenskurse

Anschließend führte Kirchenrätin Pfarrerin Dr. Dagmar Herbrecht von der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) die Synodalen in das Thema ein. Bereits vor elf Jahren habe die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über Mission nachgedacht. Ausgangspunkt sei die Erkenntnis gewesen, dass Menschen nicht mehr selbstverständlich in die christliche Tradition hineinwachsen. Sie hätten entweder gar keinen Kontakt mehr zum christlichen Glauben oder würden sich eigene Religionen zusammenbauen - Stichwort Patchwork-Religion. In der Beschäftigung mit Mission sei deutlich geworden, dass Mission nichts mit Indoktrination oder Überwältigung zu tun habe und auf freie Zustimmung ziele. Sie sei geprägt vom Respekt vor den Überzeugungen der anderen.
2001 habe die rheinische Landessynode den Auftrag erteilt, das Thema aufzugreifen. Herausgekommen ist die Schrift "Auf Sendung". Darin erzählen 14 Menschen über ihren Glauben. Deutlich sei geworden, dass es nicht das eine missionarische Konzept gebe, mit dem jede und jeder angesprochen werden könne.
Anschließend erläuterte sie Aufbau und Bedeutung der Schrift "Missionarisch Volkskirche sein." Diese Schrift habe nicht nur auf Ebene der Gemeinden Bedeutung. Auch die Landeskirche wolle die Leitvorstellungen umsetzen. Sie stellte zwei Projekte exemplarisch vor. Zum einen werde die Landeskirche Glaubenskurse anbieten. Jeder Mensch auf dem Gebiet der rheinischen Kirche soll regelmäßig ein Bildungsangebot finden, das die Inhalte des christlichen Glaubens vermittelt und die Sprachfähigkeit über den Glauben schult. Zweitens soll über neue Gemeindeformen neben den Ortsgemeinden nachgedacht werden. Solche Gemeinden existierten vereinzelt bereits, z. B. Citykirchen, Jugendkirchen. "Aus den Milieustudien lernen wir, dass es noch mehr Fantasie braucht, um den Menschen eine Gemeindeanbindung zu ermöglichen, die in den Milieus unserer Ortsgemeinden nicht heimisch werden".

Arbeitsgruppen

In Arbeitsgruppen diskutieren die Anwesenden dann über den Vortrag und das Leitbild. Unter anderem ging es darum, wie die Kirche immer lebendig bleiben, wie sie mit ihrer frohen Botschaft, dem Evangelium, qualitativ wie quantitativ wachsen kann, und wie sie synodal, also gemeinschaftlich handeln kann. Damit ging es auch um die Bedeutung von Gemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche und das Verhältnis dieser drei Ebenen zueinander.
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen trugen die Synodalen anschließend schriftlich zusammen, und werden sie den Gemeinden und der Landeskirche zur weiteren Arbeit zur Verfügung zu stellen.
Der Abend schloss mit einem Abendlied und dem Segen um 22 Uhr.

(Pressefererat | 2010-05-28)Diese Nachricht drucken