Sommersynode 2010, zweiter Tag: Missionarische Volkskirche konkret gedacht

Abstimmungssituation
Etliche Abstimmungen bei der Sommersynode. Damit man keine Stimmabgabe übersieht, heben die Synodalen orange Kärtchen.

Eine Andacht um 8.30 Uhr von Pfarrer Martin Gres aus der Ev. Kirchengemeinde Moers-Scherpenberg eröffnete den zweiten Tag der Synode. Der inhaltliche Teil begann anschließend mit Wahlen. Gewählt wurden für

  • die Stelle des 3. Synodalältesten im Kreisynodalvorstand (KSV) Wolfgang Ingenbold. Der Kreissynodalvorstand leitet den Kirchenkreis zwischen den Synoden.
  • den Fachausschuss Diakonisches Werk (Diakoniepfarrer): Michael Ziebuhr
  • den synodalen Diakonieausschuss: Vorsitzende kommisarisch bis zum Herbst Gisela Stoldt, Stellvertretung Wolfgang Ingenbold, als weiteres Mitglied Wolfgang Ziebuhr
  • den synodalen Jugendausschuss: Nicole Weber
  • den Vertreter des Rechnungsprüfungsvorstandes der Rechnungsprüfungsstelle Niederrhein: Peter-Christian Schminke, Stellvertreter: Guido Büringer,
  • die Synodalbeauftragung Neues Kirchliches Finanzwesen: Christa Biermann.

Evangelische Kindertagesstätten unterstützen

Als nächster Punkt der Tagesordnung stand ein Antrag der Interessengemeinschaft Evangelischer Tagesstätten für Kinder und Evangelischer Familienzentren im Kirchenkreis Moers auf dem Programm. Der Antrag richtet sich an die Landeskirche. Da evangelische Kitas eine wesentliche Arbeit in den Gemeinden mit gesamtkirchlicher Bedeutung leisten, soll die Landeskirche

  • die Bedeutung dieser Arbeit bestätigen und die Träger evangelischer Kindertagesstätten nach allen Kräften unterstützen.
  • die Interessen der Träger gegenüber dem Land Nordrhein-Westfalen stärker vertreten, etwa hinsichtlich der Berechnungsgrundlage, nach denen die Kitas Geld vom Land bekommen.
  • sich auch dafür einsetzen, dass in den aufwändigen Gruppen für unter Dreijährige ein besserer Betreuungsschlüssel erzielt wird.
  • sich politisch dafür einsetzen, dass es keine kommunalen Unterschiede der Elternbeträge mehr gibt, was zu sehr viel Ungerechtigkeit führe. So müssten in reichen Kommunen reiche Eltern gar keine Beiträge zahlen, während in armen Kommunen finanziell schlecht gestellte Familien hohe Beiträge entrichten müssten.
  • sich dafür einsetzen, dass mittel- und langfristig das Land Familienzentren mit einer zusätzlichen halbe Personalstelle fördere. Die 12000 Euro, die einem Familienzentrum jährlich zustehen, reichten für die Arbeit nicht aus. Letzter Punkt des Antrags: Aufgrund des prognostizierten stark sinkenden Kirchensteuereinkommens soll der Trägeranteil von Gemeinden von bislang 12 auf 5 Prozent sinken. Dafür solle die Landeskirche sich ebenfalls mittel- und langfristig einsetzen.

Neues Evangelisches Forum

Anschließend stimmten die Synodalen über den Namen der neu gegründeten Abteilung ab. Sie heißt ab sofort: Neues Evangelisches Forum. Das Neue Evangelische Forum setzt sich zusammen aus den bisherigen Referaten des Kirchenkreises Moers, also dem Jugendreferat, dem Referat für Tageseinrichtungen für Kinder, dem Evangelischen Familienbildungswerk Moers sowie dem Frauenreferat und der Einrichtung für Erwachsenenbildung Evangelisches Forum und der synodalen Beauftragung für den konziliaren Prozess. Hintergrund ist, dass der Bildungsauftrag und die Beratungen von Kindertagesstätten, Jugendleitern, politischen Gremien etc. besser wahrgenommen werden kann, indem gemeinsame Stärken zusammengefasst und Arbeitsfelder miteinander verzahnt werden, z. B. mit generationsübergreifenden Bildungsveranstaltungen, Seminaren für junge Familien oder Heranwachsende, bei Gedenkfahrten etc. Der Name "Neues Evangelisches Forum" bewahrt den über zwölf Jahre gut eingeführten und vertrauten Klang des früheren Evangelischen Forums mit seinen bewährten Angeboten und kennzeichnet den neuen Arbeitsbereich als eine Einheit. Gleichzeitig verweist er auf den vollzogenen Aufbruch, das bisherige Arbeitsspektrum zu erweitern und immer wieder zu erneuern.

10 Euro pro Gemeindeglied

Erfreuliches gab es für die Gemeinden. Beim Finanzausgleich, bei dem reichere Kirchenkreise der Evangelischen Kirche im Rheinland ärmeren Kirchenkreisen Geld abgeben, hat es einen Überschuss ergeben. Die Synodalen entschieden, dass ein Betrag von 10 Euro je Gemeindeglied an die Gemeinden verteilt werden soll, versehen mit der Auflage, diesen Betrag zu verwenden, um Schulden zu tilgen oder die Rücklagen für schwere Zeiten zu erhöhen.

Schutzmaßnahmen gegen Kindeswohlgefährdung

Im nächsten Tagesordnungspunkt berichtete Pfarrer Kurt Heyser über den Stand der Arbeit am Konzept für Schutzmaßnahmen gegen Kindeswohlgefährdung. So werden ab Oktober 2010 Fortbildungen zum Thema beginnen. Grundsätzlich sollen in jedem Jahr zwei Angebote zur Fortbildung vorgehalten werden. Heyser berichtete zudem, dass hauptamtlich Mitarbeitende, die mit Kindern arbeiten, ein so genanntes erweitertes polizeiliches Führungszeugnis benötigen. Für ehrenamtlich Mitarbeitende gibt es eine Selbstauskunft, die demnächst über die Superintendentur erhältlich sein wird.

Spieltherapiezimmer für Kindergruppen

Noch eine erfreuliche Botschaft: Die Jahresrechnung für die Evangelischen Beratungsstelle Duisburg / Moers fiel in diesem Jahr besser aus, als erwartet. Die Synodalen stimmten den Vorschlägen zu, den Überschuss zu benutzen für ein Spieltherapiezimmer für Kindergruppen und zur Deckung der Kosten des Projektes "Sozialpädagogisch-therapeutische Arbeit mit Kindern aus suchtbelasteten Familien.“ Außerdem soll eine kleine Rücklage für die Arbeit der Evangelischen Beratungsstelle an Familienzentren gebildet werden.

Termine Synoden 2011

Bevor die Syndalen dann am inhaltlichen Thema weiterarbeiteten, wurden noch die Termine der Synoden 2010 bekannt gegeben: 17./18.06.2011 und 11./12.11.2011.

Gruppenarbeit

Diskussion am Tisch mit vielen Papieren
Intensiv wurde in den Kleingruppen diskutiert.

Schließlich begaben sich die Synodalen wieder zurück in die Arbeitsgruppen zum Thema "Missionarisch Volkskirche sein". Dort überprüften sie konkret an Beispielen, wie gut sie in ihrer Arbeit in den Kirchengemeinden auf die Bedürfnisse von Gemeindegruppen, etwa Frauenkreise, Jugendgruppen etc. eingegangen sind und wie gut sie dabei das Evangelium weitergegeben haben. Die Gruppen verteilten sich auf verschiedene Zimmer und Räume im ganzen Gemeindehaus und in der benachbarten Kirche. Sie überlegten sich, was sie an ihrer Arbeit verbessern und wie sie weitere oder kirchenfernere Zielgruppen erreichen könnten. Jede Gruppe nahm zwei Zielgruppen in den Blick, von denen die eine im bestehenden Gemeindeleben gut berücksichtigt ist und die andere eine, die in den Angeboten bisher noch nicht explizit angesprochen wurde. Zum Beispiel kümmerte sich eine Gruppe um die Zielgruppe Seniorenfreizeiten. Sie diskutierten über die Idee, ob die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Seniorenfreizeiten den anderen Gemeindegliedern im Gottesdienst über das Erlebte berichten könnten, damit die verschiedenen Generationen in den Kirchengemeinden mehr voneinander erfahren. Die Gruppe benannte auch einen anderen Aspekt, der nach der Meinung der Gruppe das spezielle kirchliche Wirken der Seniorenfreizeit ausmacht: "Wir sind mit unseren Angeboten für diejenigen Senioren da, die nicht von Kreuzfahrt zu Kreuzfahrt eilen, sondern für diejenigen, für die es finanziell sehr eng ist", so ein Gruppenteilnehmer.

Eine andere Gruppe stellte sich die Frage, wie einladend Gemeinden tatsächlich für gleichgeschlechtlich Liebende seien. In den USA würden manche Gemeinden gleichgeschlechtlich Liebende ausdrücklich einladen und diese Liebe auch mit ihrer Einladung bestätigen. Überlegt wurde, ob es nicht kirchenkreisweite Gottesdienste für Homosexuelle geben könnte, die von ihnen selbst mitgestaltet werden sollten.

In einer weiteren Gruppe diskutierten die Teilnehmenden über Frauengruppen. Diese hätten sich sehr differenziert. Während jüngere Frauen beispielsweise mit einer Bibelarbeit am Anfang der Treffen wenig anfangen könnten, so wäre das für ältere Frauen fester und wichtiger Bestandteil. Eine Synodale schilderte ihre guten Erfahrungen mit der Bibel in gerechter Sprache. Diese würden Frauen ganz anders ansprechen, da sie ausdrücklich angesprochen sind.

Wie das berufstätige Mittelalter besser in die Gemeindearbeit eingebunden werden könnte, fragten andere Synodale. Angesprochen würden viele aus dieser Gruppe durch Familiengottesdienste. Aber Kinderlose betreffen diese Gottesdienste weniger. Gute Erfahrungen gab es Pfingsten in der Stadtkirche Moers: Der Andacht wurde nicht in, sondern außerhalb der Kirche gefeiert. Es setzten sich viele Menschen, die einfach nur an der Stadtkirche vorbeikamen auf das kleine Mäuerchen vor dem Gotteshaus und lauschten.

Über die Rolle der Trauung als Gelegenheit, missionarisch Volkskirche zu sein, ging es unter anderem in der Gruppe, die sich in der Kirche versammelt hatte. Dazu ein Teilnehmer: "Die Trauung ist eine Gelegenheit, die Leute über die Spiritualität des Traugottesdienstes zu erreichen."

Die Ergebnisse der Gruppen klebten die Moderatoren anschließend nach Zielgruppen und Fragestellungen geordnet in ein Raster an die Wand des Gemeindehauses. Im Dialog mit Superintendent Ferdinand Isigkeit stellten Teilnehmer das Erarbeitete vor.

Auch diese Ergebnisse stellen sie den Gemeinden und der Landeskirche zur weiteren Arbeit Verfügung.

Öko-faires Beschaffungswesen und Schöpfungszeit

Hinrich Olsen informierte über den Stand des öko-fairen Beschaffungswesens des Kirchenkreises der dafür ein Sigel bekommen hat.

Er lud außerdem ein zur Schöpfungszeit unter dem Motto "Zukunft einkaufen", Anfang September bis zum Erntedankfest. Unter anderem wird Oberkirchenrätin Barbara Rudolph predigen und es wird eine biblische Weinlese geben.

Er machte auch auf die Kampagne "Heute für die Zukunft einkaufen" aufmerksam, die am 3. Mai begonnen hat.

Laboratorium

Jürgen Widera machte den neuen Arbeitsschwerpunkt des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein (eeb) und damit auch dem Neuen Evangelischen Forum bekannt. Themen der Arbeitswelt wie z. B. Fragen der Wirtschaftsethik sollen damit stärker in den Blick geraten. Das Projekt dazu heißt "Laboratorium - Ev. Zentrum für Arbeit, Bildung und betriebliche Seelsorge" und ist für mindestens drei Jahre geplant. Die erste Veranstaltung mit dem Titel "Normalarbeit Leihabeit - Abschied von fester Beschäftigung?" ist bereits am 1. Juni. Das Programmheft kann unter www.kirche-moers.de heruntergeladen werden oder findet sich in vielen Evangelischen Kirchengemeinden. Es soll zweimal jährlich erscheinen.

Besuchsdienstkreis

"Gastfreundschaft und Besuchsdienst" heißt der nächste Besuchsdiensttag am 25. September 2010, erzählte Pfarrer Udo Otten, der die synodale Beauftragung im Kirchenkreis Moers für den Besuchsdienst hat.

Gedenken an den ermordeten Obdachlosen

Die Synode schloss mit einem Gebet in Gedenken an den ermordeten Obdachlosen in Kamp-Lintfort und dem Segen gegen 13 Uhr.

Links und Tipps:

(Pressefererat | 2010-05-29)Diese Nachricht drucken