Kritik an den Sparbeschlüssen auch von der Kanzel - Neuer Diakoniepfarrer des Kirchenkreises Moers erhebt Wort gegen Sparen an Kindern

„Eine Hartz IV Familie erhält für ein Kind zwischen 214 und 287 Euro. Erwachsene erhalten 359 bzw. 323 Euro“, rechnet der neue Diakoniepfarrer Michael Ziebuhr von der Kanzel aus vor und führt aus „Wer selber Kinder hat, weiß wie viel man für Windeln ausgeben muss und welchen Appetit ein 5-jähriges Kind hat, oder was ein Schulkind braucht. Und man weiß, dass Kinder wachsen und öfter neue Kleidung und Schuhe brauchen. Das alles soll in den Hartz IV Satz eingerechnet sein? Ich kann’s nicht glauben.“ In seiner Antrittspredigt am 13. Juni, evangelische Rheinkirche in Duisburg-Homberg, fand der neue Diakoniepfarrer des Kirchenkreises Moers deutliche Worte. Früher sei man davon überzeugt gewesen, dass Kinder Reichtum sind. Heute existiere stattdessen in einem reichen Land, das bis 2008 Exportweltmeister gewesen ist, Kinderarmut.

Kalten und Unmenschliche Entscheidungen

Die Sparvorhaben aus Berlin sehen vor, den Rentenversicherungszuschuss für Beziehende von Arbeitslosengeld zu streichen. Die Zeche dafür müssten später die Kinder zahlen, so der Diakoniepfarrer. Und dass Hartz IV Empfänger künftig kein Elterngeld mehr erhalten sollen, würden ebenfalls die Kinder ausbaden müssen.
„Die Familien brauchen unsere Unterstützung: Über 1000 Familien wurden allein vom Diakonischen Werk in unserem Kirchenkreis im letzten Jahr in unterschiedlicher Weise betreut. Fast 2000 Einzelpersonen oder Familien hat die Schuldnerberatung im Kirchenkreis betreut. Über 2200 Familien erreichen wir durch die Tafeln. Das war im letzten Jahr! Wie wird sich das entwickeln, wenn es weitere Kürzungen gibt?“ fragt Ziebuhr und erinnerte daran, dass unter anderem auch deswegen gespart werden müsse, weil die Bundesregierung für Banken eingesprungen ist, die das Finanzsystem an den Rand des Ruins gebracht haben „und die jetzt munter weiter machen. Welche Prioritäten, welcher Geist steht hinter solchen kalten und unmenschlichen Entscheidungen?“

Bemühen für eine soziale Gesellschaft

In seiner Predigt sprach er auch die christlichen Gemeinden vor Ort an. „Wir christliche Gemeinden, wir Kirchen, egal welcher Konfession, wir dürfen nicht nachlassen in unserem Bemühen für eine soziale Gesellschaft, in der jeder Mensch, egal welchen Alters und in welcher Situation, eine lebenswerte und menschenwürdige Grundlage zum Leben erhält und sich nicht fragen muss, bin ich hier erwünscht?“

Projekt „Homberg macht Schule“

Anschließend an den Gottesdienst wurde das ökumenische Projekt „Homberg macht Schule“ vorgestellt: Kindern aus Familien mit geringem Einkommen werden günstige Schulmaterialen zur Verfügung gestellt.

Links und Tipps:

(Pressefererat | 2010-06-19)Diese Nachricht drucken