Nur zukunftsweisende Projekte fördert der Europäische Flüchtlingsfonds (EFF). Eins dieser Projekte ist "Rückkehr in Würde" der Beratungsstelle Flucht und Migration der Evangelischen Gemeinden Moers. Mit der Finanzierung des neuen Arbeitsschwerpunkts versuchen die Mitarbeiter jetzt, den Männern im Abschiebungshafthaus Moers einen Lichtblick für die Zeit nach der Rückkehr zu geben. Hintergrund: Die Situation im Hafthaus ist für die Häftlinge besonders bedrückend. Obwohl sie keine Strafe verbüßen, sondern lediglich auf die Abschiebung warten müssen, fühlen sie sich kriminalisiert. Erst in der Haftsituation wird zudem vielen von ihnen bewusst, dass sie Deutschland wieder verlassen müssen. Für die Zeit nach der Haft fehlt ihnen jede Perspektive, während der Haft haben sie keine Gelegenheit, sich um die Zukunft zu kümmern. Es sind dunkle Gefühle, die sich dann einstellen - die Angst, die Unsicherheit, die Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, gescheitert zu sein: Was wird auf mich zukommen, wie reagieren die Behörden, wie stehe ich vor der Familie da, werde ich Arbeit finden? Ansprechpartner in Herkunftsländern
Ziel der Förderung des EFF ist, dass die Mitarbeiter der Flüchtlingsberatungsstelle Kontakt zu Kirchen, humanitären Organisationen oder Menschenrechtsbewegungen in den Herkunftsländern suchen, um dort Anlaufstellen und Ansprechpartner für die Flüchtlinge zu finden, in besonderen Fällen auch Personen, die Zurückkehrende vom Flughafen abholen. Zweitens bemühen sich die Moerser Berater, Verbindungen zu Jobvermittlungen und Qualifizierungseinrichtungen in den jeweiligen Ländern herzustellen. Zu diesen Organisationen gehören zum Beispiel die "Arbeitsgruppen Entwicklung und Fachkräfte im Bereich der Migration und der Entwicklungszusammenarbeit" (AGEF), die Arbeitssuchende in die Länder des ehemaligen Jugoslawien vermitteln sowie die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung, die weltweit tätig ist.
Hoffnung auf Arbeit
Bislang konnten die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Flüchtlingsberatung Abschiebungsgefangene nur während der Haftzeit unterstützen und die Haftsituation leichter ertragbar machen, Kontakte zu Anwälten, Familien oder Freunden herstellen sowie Gespräche anbieten. Mit dem neuen Projekt ist es vielleicht erstmals möglich, den Betroffenen ein Gefühl von Sicherheit zu geben, z. B. wenn in den Herkunftsländern Vertrauenspersonen gefunden werden können. Außerdem, hofft Flüchtlingsberaterin Gisela Stoldt, verbessert sich das Selbstwertgefühl der Männer, wenn ein Hoffnungsstreif für eine Arbeitsstelle vorhanden ist.
Bis zu 25 Prozent der Flüchtlinge im Hafthaus werden aus verschiedenen Gründen nicht abgeschoben. Für sie nehmen die Berater Kontakt zu Einrichtungen am neuen Aufenthaltsort in Deutschland auf, um ihnen dort weiter zu helfen.
Die Finanzierung des Projektes ist bis Ende des Jahres gesichert.