Pfarrer Ferdinand Isigkeit ist neuer Superintendent

Pfarrer Ferdinand Isigkeit ist neuer Superintendent des Kirchenkreises Moers. Eingeführt hat ihn gestern der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, in einem Gottesdienst in der Heimatgemeinde des neuen Superintendenten: Isigkeit, 1955 in Rheinkamp geboren, ist seit 1985 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Hochheide. Über die Gemeindegrenzen hinaus hat er sich in einer Reihe von diakonischen Projekten wie als Vorsitzender der Diakonie Duisburg-West, als Gründungsmitglied des Beschäftigungsprojektes Tu Was - Neue Arbeit Niederrhein, im Aufsichtsrat der Grafschafter Diakonie und als Mitglied des Kreissynodalvorstandes engagiert.

Maes stellvertretender Skriba

Gewählt hatte ihn die Synode bereits im Juli. Bei der Wahl war zudem Torsten Maes als stellvertretender Skriba in den Kreissynodalvorstand gerückt. Auch er wurde von Schneider eingeführt. Maes, 1964 in Duisburg geboren, ist seit 1998 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Moers-Asberg. Er setzt sich besonders für das Miteinander von Kirchen und Religionen ein. Im Stadtteil hat sich Maes u.a. intensiv in der Weiterentwicklung des Spielhauses Mattheck eingebracht. Er gehört zum Arbeitskreis ‚Christen und Muslime‘ im Kirchenkreis Moers und ist verantwortlicher Organisator des Pfarrkonventes Moers.

Vernünftig und gerecht

Dass die Zeiten für einen Superintendenten schwierig sind, weiß Präses Schneider. Dass er nicht verzweifeln muss, auch. Reformen sind nötig angesichts der finanziellen Situation der Kirchen. „Das ist die Herausforderung, dass wir uns so verändern, dass es erstens vernünftig ist, dass es zweitens gerecht ist und dass es Freude macht.“ Der Wochenspruch "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat" benenne die Zuversicht. An der Art und Weise, wie wir an unsere Aufgabe herangehen, entscheidet sich grundsätzlich, wie wir sie lösen können.“

Werdet nicht zu Technokraten

Gerade wenn es stürmisch zugeht, bedarf es der Orientierung, so der Präses. Davon spreche der zweite Teil des Psalms "und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat." Orientierung an den Quellen des Glaubens, der Bibel sei wichtig für die Gestaltung der Kirche: was zu erhalten sowie was abzuschaffen sei und dabei nicht zu vergessen, die Schöpfung zu bewahren, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten, für die Stummen, die Armen, die Fremden, Witwen und Waisen. „Werdet nicht zu Technokraten, zu Pragmatikern, ohne Konzept nur Löcher zu stopfen und das dann als große Errungenschaft zu verkaufen.“
Die Gemeinde forderte Schneider auf, Isigkeit und Maes zu begleiten, zu beraten und ihnen auch unangenehme Wahrheiten zu sagen. „Aber sagt sie so, dass sie die gut hören können. Ermutigt sie auch. Meckert nicht nur, sondern sagt zudem, was gelungen ist.“

Gottseidank hat die Kirche diakonische Kompetenz

In seiner Predigt über die Weitergabe des Glaubens setzte sich Isigkeit auch mit der Kritik junger Theologen auseinander, Pfarrer im Alter über 45 Jahre hätten oft zu stark sozialethische und diakonische Schwerpunkte gesetzt und die Verkündigung vernachlässigt. „Ich sage Gottseidank hat die evangelische Kirche sozialethische Kompetenz und ist in der Lage, vom Evangelium her zu sagen, was recht ist. Und Gottseidank hat sie diakonische Kompetenz, mit der sie die Liebe Jesu Christi bezeugt. Wir haben im Kirchenkreis Moers eine starke diesbezügliche Tradition und das soll auch so bleiben. Wir wollen eine verlässliche Kirche in der Gesellschaft sein und andere mit der Hoffnung anstecken, die wir in uns tragen durch unser Reden und Tun.“

Verkündigung von Mensch zu Mensch

Dennoch bestätigt Isigkeit, Kirche müsse die missionarische Kompetenz stärken , auch um in der Gesellschaft Profil zu zeigen und Interesse zu wecken für das Wort Gottes. Dazu gehöre, dass Christinnen und Christen ihre Bibel kennen.
"Was wir allerdings nicht brauchen, ist ein Saltomortale rückwärts in alte Zeiten, in denen es sich Kirche selbstgefällig in den eigenen vier Wänden gemütlich machte, sich auf ihren Gottesdienst beschränkte und unter Mission verstand, Bibelzitate unters Volk zu bringen. Die Vermittlung von Wissen reicht nicht aus." Aus seiner eigenen Erfahrung berichtete Isigkeit, wie wichtig die Menschen bei der Vermittlung von Glauben sind, die Eltern, die abends am Bett beten genau wie ein glaubwürdiger Lehrer oder Pfarrer.
Die Kollekte am Ausgang ging an die Beratungsstelle Flucht und Migration der evangelischen Kirchengemeinden in Moers.

Für lebenswertes und sinnvolles Leben

Welche Ziele hat Isigkeit als neuer Superintendent? Er möchte den Ausschuss für Strukturfragen aufbauen, das Profil des Kirchenkreises schärfen, den Zusammenhalt der Gemeinden und ihre Solidarität untereinander stärken. Er will sich dafür einsetzen, dass der Kirchenkreis mit seinen Einrichtungen ein verlässlicher Partner für alle gesellschaftlichen Gruppen bleibt und ihnen zur Seite steht, z. B. mit der Diakonie oder mit dem KDA: "Hier ist eure Kirche, die über Hoffnung und Mut verfügt, für ein lebenswertes und sinnvolles Leben einzutreten." Zudem soll der Kirchenkreis Partner sein auch für alle politischen und gesellschaftlichen Gruppen, von Gewerkschaften bis Arbeitgebern. Die Partnerschaft allerdings bleibe nicht bei einer Einbahnstraße: Die große Zahl der Anwesenden aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften beim Gottesdienst, mache deutlich, dass der Kirche Wertschätzung entgegengebracht werde. "Und ich will Ihnen sagen, Sie finden in uns verlässliche Partner, aber wir werden auch ihre Verantwortung in Anspruch nehmen und das Wort, dass sie uns gegeben haben, nämlich, dass Sie uns bei unseren Aufgaben helfen wollen in schwierigen Zeiten." Isigkeit richtete seine Worte nicht nur an die Politik, sondern ausdrücklich auch an die Wirtschaft.
Und für sich selber? "Ich will mein Amt und auch meine Person einsetzen, dass die evangelische Kirche und der christliche Glauben interessant bleibt und noch interessanter wird."

Kreuzweiche und Tender

Von den VertreterInnen aus Kirche und Politik gab es Grußworte und viele symbolische Geschenke: Neben einem selbstgebackenen Brot des katholischen Kollegen auch eine Kreuzweiche einer Modelleisenbahn und den Kohlentender einer kleinen Dampflokomotive.

Links zum Thema:

(Pressereferat | 2003-09-22)Diese Nachricht drucken