"Kern stärken und den Rand erreichen"

Neues Verständnis von Kirchenmitgliedschaft und knappe Kassen - ist Kirche unter den derzeitigen Rahmenbedingungen zukunftsfähig? Ja, sie ist es, wenn sie die neuen Bedingungen reflektiert, Veränderungen kreativ, behutsam und geleitet von Visionen vornimmt und klare Positionen bezieht, so der Bericht von Superintendent Ferdinand Isigkeit auf der Kreissynode in Utfort am 7. November

Den Kern stärken und den Rand erreichen

"Wir müssen es ernst nehmen, dass es unterschiedliche Gestaltungen der Kirchenmitgliedschaft gibt", darauf gelte es, einzugehen stellte Superintendent Ferdinand Isigkeit als Ausgangspunkt seines Berichts an die Kreissynode in Utfort am 7. November fest. Neben den Engagierten gibt es auch distanzierte Kirchenmitglieder, die gleichwohl hohe Erwartungen an soziale und ethische Kompetenzen der Kirche haben, das zeigt die Studie der Evangelischen Kirche Deutschlands "Kirche - Horizont und Lebensrahmen". "Den Kern stärken und den Rand erreichen", benennt Isigkeit als eine Aufgabe der kommenden Zeit.

Nicht hinter verschlossenen Türen gemütlich machen

"Inhalt und Leben gewinnt die Kirche durch Menschen - und das sind vor allem Ehrenamtliche - die sich in ihr engagieren. Ohne sie verliert Kirche an Strahlkraft", erklärte der Superintendent. Als Vorschläge, auch die Ferneren zur erreichen, nannte Isigkeit beispielsweise die Zusammenarbeit von Kirche mit nicht-kirchlichen Institutionen wie z. B. Schulen Wichtig seien auch klare und erkennbare Aussagen in sozialen und ethischen Fragen. Dazu zählen eindeutige Positionen, wie beispielsweise zum Thema Frieden. Bei den regelmäßigen Friedensgebeten auf öffentlichen Plätzen "wird deutlich, dass Christinnen und Christen es sich nicht in ihren Kirchen und Gemeindehäusern hinter verschlossenen Türen schön gemütlich machen, sondern den Weg nach draußen gerade auch zu den kirchlich Distanzierten suchen und Kirche hierdurch missionarisch und einladend wirkt.
Schließlich gehören zu den weniger Engagierten aber dennoch treuen Mitgliedern der Kirche Männer. "Die Männerarbeit ermuntert Gemeinden, die fehlenden 50 Prozent zu entdecken und nach Formen zu suchen, sie zu erreichen."

Finanziell schwierige Zeiten

Die kommende Zeit - was Finanzen betrifft, wird sie nicht einfach. Die Kirchensteuereinnahmen brechen weg, die für 2005 geplante Steuerreform wird möglicherweise um ein Jahr vorgezogen. Für das Jahr 2004 sollen die Synodalen darüber abstimmen, ob der Pro-Kopf-Betrag der Gemeinden von 73 auf 68 Euro gesenkt wird, im Jahr 2006 sollen schließlich 60 Euro pro Kopf erreicht werden. Zusätzlich kürzt das Land möglicherweise Zuschüsse - betroffen davon wären die Evangelische Beratungsstelle, Kindertageseinrichtungen und vielleicht die Jugendarbeit.

Kirche kann Landesmittelkürzungen nicht mehr ausgleichen

"Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Das Ende der Fahnenstange ist erreicht. Die Kürzung der Landesmittel können wir nicht ausgleichen, wie wir das in den Vorjahren bei der einen oder anderen Kürzung vielleicht noch konnten. Uns fehlen die Kirchensteuermittel" erklärte Isigkeit. "Mich beschleicht allerdings die Furcht, dass dahinter eine besorgniserregende politische Perspektiv- und Ziellosigkeit und zwar in Regierung und Opposition steht."

Veränderungen von Visionen geleitet

Trotz der prekären Einnahmesituation warnte der Superintendent vor Panikaktionen. Strukturveränderungen müssten gut durchdacht und weitsichtig sein. Sie sollten sich nicht auf die Reaktion auf geänderte Rahmenbedingungen wie Kirchensteuerentwicklung und Gemeindegliederschwund beschränken. Strukturen haben dienenden Charakter und müssen von Zeit zu Zeit angepasst werden. Aber "Veränderungen in der Kirche müssen von Hoffnung getragen sein und visionär neue Ziele zum Inhalt haben." Immerhin habe die Finanzdiskussion auch ein Gutes: Eine erneute Verständigung über die Ziele kirchlicher Arbeit.

Verständigung im Kirchenkreis

Um Verständigung bat er auch in anderer Hinsicht: "Vielleicht auch durch den Veränderungsdruck ausgelöst kann es zu Problemen in den Gemeinden, den Presbyterien und auch unter Mitarbeitenden und Kolleginnen und Kollegen kommen. Bitte binden sie den KSV und mich rechtzeitig ein, damit wir mithelfen und ggf. Rat geben und zu Problemlösungen beitragen können."

Landesjugendcamp 2006

Im Anschluss an den Bericht trafen sich die Synodalen in Gruppen, um die Arbeit des vergangenen Jahres zu beleuchten. Gegen Ende des ersten Synodenabends berichtet Lutz Zemke, Jugendreferent im Kirchenkreis, vom Landesjugendcamp, das zwischen dem 15. und 18. Juli 2006 in Moers ausgerichtet werden soll. Für die Gemeinden bedeutet das, dass JugendmitarbeiterInnen der Gemeinden beteiligt sind. Zudem werden Räume für Übernachtungen und Veranstaltungen benötigt. Zur Eröffnungsveranstaltung rechnet der Jugendreferent mit 4000 TeilnehmerInnen.

Kollekte für Beratungsstelle

Im Gottesdienst zu Beginn der Synode sammelten die BesucherInnen 567 Euro für die Evangelische Beratungsstelle - ein Symbol der Solidarität mit ihrer Arbeit, wie es Isigkeit ausdrückte.

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(Pressereferat | 2003-11-07)Diese Nachricht drucken