"Ich fühle mich gestärkt" - Qualifikation Arbeitsloser für bürgerschaftliches Engagement - zweiter Termin in Mülheim

"Ich betrachte meine neue Aufgabe als Zeitspende", erklärt die Neukirchenerin Gudrun L. und meint damit ihre ehrenamtliche Unterstützung als Demenzbegleiterin. Das klingt ganz anders als noch vor einer Woche, als sie in der Vorstellungsrunde sagte, dass ihr die Decke auf den Kopf falle. Möglich gemacht hat das ein Pilotprojekt des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit des Landes NRW und mehrerer kirchlicher und nicht-kirchlicher Einrichtungen, das vor drei Wochen in vielen Zeitungen angekündigt worden war: Qualifizierung von Arbeitslosen für freiwilliges Ehrenamt. Ziel sollte sein, sich über Neigungen und Fähigkeiten klar zu werden, vor allem aber den Teilnehmern Perspektiven und Mut wieder zu geben. Möglicherweise könne eine solche Zeit der Freiwilligkeit auch im Lebenslauf für Arbeitgeber ein gutes Zeichen sein, denn das zeugt von sozialen Fähigkeiten und Aktivität.

"Ich fühle mich gestärkt"

Mittlerweile ist die erste Staffel des Pilotprojekts gelaufen. Auch wenn sich noch keine langfristigen Aussagen machen lassen, war es bisher doch ein großer Erfolg:
"Ich fühle mich gestärkt", bestätigt Gudrun L., eine von 18 Teilnehmenden in Moers. In drei Tagen haben sie Eignungen und Fähigkeiten, Wünsche und Antipathien herausgearbeitet und sich beraten lassen, welche ehrenamtliche Tätigkeit für sie geeignet sind. Dabei passierte mehr als eine reine Beratung: Nach dem Seminar trauten sich die Teilnehmenden anschließend wieder mehr zu.

Alle haben etwas gefunden

Alle haben etwas gefunden. Die Tätigkeiten erstrecken sich von der Integrationshilfe in Grundschulen über die Hausaufgabenbetreuung bis zum Engagement im Behindertensport mit der Möglichkeit, einen Übungsleiterschein zu erwerben oder zur sozialen Zugbegleitung in einer S-Bahn. Daneben unterstützen Teilnehmer Bewohner im Altenheim, betreuen Kinder und Jugendliche als Leihoma, auf Ferienfreizeiten oder in der Offenen Jugendarbeit. Andere helfen bei der Moerser Tafel oder unterstützen gemeinnützige Organisationen bei der Öffentlichkeitsarbeit. Oder sie übernehmen eine Tätigkeit in der Demenzbegleitung.

Interessant und bereichernd

Karin Menzel vom Evangelischen Forum Kirchenkreis Moers, Bildungsreferentin, fasst zusammen: "Alle haben im Abschlussfeedback das Seminar als sehr interessant und für sie bereichernd beschrieben, ebenso die Zusammenarbeit mit bis dahin fremden Menschen." So gut, dass sich die Teilnehmenden Ende Januar wieder treffen wollen.

Ersetzt keine Erwerbstätigkeit oder berufliche Weiterbildung

Bürgerschaftliches Engagement soll Erwerbsarbeit nicht ersetzen und auch nicht die berufliche Weiterbildung. Es soll auch weder Ersatz für Hauptamtlichkeit in den Organisationen noch Beschäftigungsprogramm für Arbeitslose sein - darin sind sich die Projektleitenden einig. Aber es soll für die Arbeitslosen ein Gewinn sein: "Mir nützt es selber", bestätigt Gudrun L.

Info zum Thema:

In Mülheim wird es noch ein weiteres derartiges Seminar geben. Es beginnt am kommenden Montag (1. Dezember 2003) und dauert vier Tage jeweils von 9.30 Uhr bis 18.00 Uhr. Auch bei diesem Seminar ist die Teilnahme kostenfrei und freiwillig, Möglichkeiten zur Übernachtung, ebenfalls ohne Kosten, sind vorhanden. In dem Seminar lernen die Teilnehmenden konkrete Arbeitsfelder kennen, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen und bekommen Kontakte zu Organisationen und auch zu Ehrenamtlichen, die aus der Praxis erzählen. Anmelden können sich Interessierte bis Kursbeginn am Montag Morgen beim Evangelischen Forum unter 02841 100 135.


(Pressereferat | 2003-11-24)Diese Nachricht drucken