Ein Leben für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Superintendent Wolfram Syben verabschiedete Hinrich Kley-Olsen in den Ruhestand

[Kirchenkreis Moers] Ins Gefängnis gehen für seine Überzeugungen? Hinrich Kley-Olsen war dazu bereit. Nach den Demonstrationen im Jahr 1983 in Mutlangen gegen den Nato-Doppelbeschluss, der vorsah, Pershing II-Mittelstreckenraketen auf deutschem Boden mit Ziel UDSSR aufzustellen, wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Diese zu zahlen wäre ihm wie Verrat vorgekommen. Stattdessen nahm er 140 Tage Haft auf sich. „Es war ein wichtiger Lebensabschnitt, in der viele meiner Gedanken und Gefühle eine Form fanden und mir für die gesellschaftliche und kirchliche Arbeit nutzbar wurden“, sagt er rückblickend. In dieser Zeit lernte er die bekannte, ebenso streitbare wie umstrittene Theologin und Lyrikerin Dorothee Sölle kennen, sowie den politischen Pfarrer Helmut Gollwitzer. Dieser legte ihm nahe, sein Leben als Kellner zu beenden und zu studieren. Eine richtige Entscheidung, denn aus dem Schüler mit mehreren Fünfern im Zeugnis wurde ein engagierter später Student der Sozialarbeit mit Schwerpunkt Innovative Seniorenarbeit. Anschließend, im Mai 1999, bewarb der damals 41-jährige sich als Referent für Erwachsenenbildung beim Kirchenkreis Moers. „Der Bewerbungsausschuss war sehr interessiert, als ich die Namen Sölle und Gollwitzer erwähnte, und ich wurde eingestellt.“

Politische Abendgebete, Dorothee Sölle, Gerechtigkeit

In den 24 Jahren in der Erwachsenenbildung des Neuen Ev. Forums Kirchenkreis Moers hat er nicht nur eine Menge Veranstaltungen organisiert zu den Themen Bewahrung der Schöpfung, Frieden und Gerechtigkeit, sondern auch langjährige Veranstaltungsformate aufgebaut. In Anlehnung an das politische Nachtgebet von Dorothee Sölle gestaltete er zusammen mit anderen, etwa dem damaligen Industriepfarrer Jürgen Widera, das monatliche politische Abendgebet in der Ev. Stadtkirche Moers. Dorothee Sölle selbst hat er mehrmals mit der Grupo Sal in die Grafenstadt geholt. „Nach ihrem Tod sprang in einer Gedenkveranstaltung in der Stadtkirche mit der Grupo Sal meine Mutter für die Theologin ein. Das hat mich sehr berührt.“ In vielen mehrtätigen Kursen ermutigte er Ältere, in ihrem Ruhestand eigene Projekte aufzubauen. Eine Vielzahl von Reihen zum Thema Rechtsradikalismus, Frieden, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit aber auch Mauerfall entstanden gemeinsam mit Kollegin Karin Menzel. „Der Fall der Mauer war mir sehr wichtig“, erzählt er. 1985 hatte er als Westler mit vier anderen Westlern in Ostberlin für die Freilassung von Friedensaktivistinnen und -aktivisten demonstriert. Nach kurzer Zeit hat ihn die Stasi abgeschoben. „Ich habe mich intensiv mit der Unrechtsherrschaft der DDR auseinandergesetzt. Wir haben in einer ganzen Reihe von Vorträgen mit Zeitzeugen, unter anderem Liedermacher Stephan Krawczyk, den Horror der Diktatur nachvollziehbar machen wollen.“ Für den Kirchenkreis Moers war er auch Mitglied im „Arbeitskreis gegen Rechts“ des Vereins „Erinnern für die Zukunft“. „Mit meiner Arbeit wollte ich gesellschaftspolitische und individuelle Emanzipation unterstützen, resümiert der 65-Jährige.
„Besondere Freude haben mir eigene Vorträge gemacht in Gemeindegruppen, Frauenkreisen etc. Den Vortrag „Lasst Blumen sprechen von Gerechtigkeit“ habe ich z. B. 45 mal gehalten. Das Gefühl, nahe bei den Menschen zu sein, etwas bewegen zu können, hat gut getan.“

Leiter, aber nicht Chef

Seit dem Jahr 2015 war Kley-Olsen auch Leiter der Begegnungsstätte Haus am Schwanenring. „Das war ja eigentlich der Bereich, für den ich studiert habe“. In dieser Zeit belebte er die Begegnungsstätte, zusammen mit über 40 freiwillig aktiven Menschen. „Wer nicht einsam sein möchte, kann kommen und etwas mitgestalten.“ Für Kley-Olsen galt das Prinzip, er sei der Leiter, aber nicht der Chef. Das Konzept funktionierte und die Menschen kamen und organisierten z. B. Balladenabende und Vorträge. Und auch die gemeinsamen Frühstücke sind wichtige Veranstaltungen der Einrichtung, neben vielen anderen, die auf schwanenring.de verzeichnet sind.

Weiter arbeiten für bessere Welt

„In meinem eigenen Ruhestand will ich mehr lesen und mit meiner Frau das E-Bike nutzen. Aber die politische Arbeit bleibt ein Teil von mir. Ich werde das größte Portal gesellschaftpolitischer u.a. Links „besserewelt.info“ intensiver als bisher pflegen“. Sie umfasst eine halbe Millionen Links zu Kley-Olsens Themen. „Ich werde zudem die Arbeit an der Internetseite über Dorothee Sölle verstärken und die an der Internetseite ddr-aufarbeitung.de. Ich habe zwar keine Lust mehr, mich in Arbeitsgruppen über das Layout eines Demoplakats zu streiten. Aber ich werde weiterarbeiten an einer Welt, in der Menschen in Frieden, Gerechtigkeit und gesunder Umwelt leben können.“ Ganz konkret wird er das auch als Presbyter der Ev. Kirchengemeinde Kerken tun, denn dort wohnt er.

Am 19. Dezember verabschiedete Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers,  Hinrich Kley-Olsen in einem Gottesdienst in der ev. Stadtkirche Moers und einem Empfang gemeinsam mit etwa 100 Kolleginnen, Kollegen und Wegbegleitenden in den Ruhestand. Die Kollekte ging an die Seenotrettungsorganisation united4rescue

Weitere Informationen

Beide beruflichen Positionen, die Hinrich Kley-Olsen verlässt, werden wieder besetzt.

 

  • 19.12.2023
  • Pressereferat Kirchenkreis Moers
  • Red